Das ist Cricket

Alles andere als ein Altherren-Sport
  • Spielertypen
Wer Cricket nicht versteht, denkt, auf dem Platz stünden zehn Feldspieler (Fielders) gemütlich herum und schauten zu, wie zwei gegnerische Schlagleute (Batsmen) an den beiden Enden eines länglichen Rechtecks (Pitch) versuchen, einen von ihrem jeweiligen Werfer (Bowler) abgefeuerten oder trickreich angeschnittenen Ball mit einem Schläger zu treffen und so weit wie möglich wegzuschlagen. 

Diesem Eindruck von gelangweilten Halbrentnern zum Trotz handelt es sich um eine äußerst athletische Sportart, die Sprintqualitäten, Sprung- und Wurfkraft, gute Reaktion, Reflexe, Beweglichkeit, gute Koordination und höchste Konzentration über lange Zeiträume erfordert.

  • Das Spiel
Beim Cricket treten zwei Teams, die aus jeweils elf Spielern bestehen, gegeneinander an. Die Durchgänge heißen Innings. Die Mannschaft, die das Schlagrecht besitzt, versucht Runs (Punkte) zu erzielen. Das andere Team, das auf dem Feld steht, ist wiederum bemüht, die Batsmen, die Schlagleute der gegnerischen Mannschaft, aus dem Spiel zu werfen – also ähnlich wie beim Baseball. Sobald zehn der elf Batsmen ausgeschieden sind, ist das Innings vorüber; die Mannschaften tauschen die Positionen, die Schlagmannschaft wird zur Feldmannschaft. Sieger ist das Team, das in seinem Innings mehr Runs erzielt hat.

  • Spielfeld und Spielbahn
Das Spielfeld ist ein ovales Rasenfeld, das einen Durchmesser von 100 bis 140 Metern hat. Es wird meistens von einem dicken Seil oder einen niedrigen Zäunchen (Boundary) begrenzt. In der Spielfeldmitte befindet sich die rund 20 Meter lange Spielbahn (Pitch), an deren beiden Enden jeweils ein Wicket in den Rasen gesteckt wird. Der Wicket besteht aus drei 71 Zentimeter hohen, senkrechten Stäben (Stumps), auf denen zwei kurze Querhölzer (Bails) liegen. Das heißt es sind immer zwei Batsmen gleichzeitig auf dem Feld. 

  • Regeln
Der Batsman verteidigt den Wicket mit seinem aus Weidenholz gefertigten Schläger vor dem vom Bowler geworfenen Ball. Er drischt den Ball so weit weg, wie es geht. Landet der Ball hinter der Spielfeldgrenze, gibt es sechs Punkte. Rollt er über die Abgrenzung, gibt’s vier Punkte. Wird der Ball von einem Feldspieler gefangen, ohne den Boden berührt zu haben, scheidet der Batsman aus. 

Springt der Ball auf dem Boden auf, können die beiden Batsmen so oft zwischen den beiden Wickets hin- und herrennen (das ergibt die Anzahl der Runs), bis die Fielders den Ball zum Wicket (und ihrem dahinter postierten Wicketkeeper) befördert haben. 

Fallen die Bails vom Wicket, bevor der Batsman die vor den Wickets gezogene Linie überquert hat, scheidet der Batsman aus. Dieses Ausscheiden wird ebenfalls als Wicket bezeichnet. Und ein Wicket ist es auch, wenn ein Bowler die Stumps trifft und die Bails fallen, ohne dass der Batsman den Ball spielen kann.

  • Die Weltmeisterschaft und die anderen Cricket-Formate
Die Weltmeisterschaft wird im Ein-Tages-Format (One Day Cricket) ausgetragen. Dabei hat jede Mannschaft 300 Würfe (50 Overs à 6 Würfe). 

Die klassische Form des Crickets ist das auf fünf Tage angesetzte Test Cricket. (Das heißt also, dass ein Test kein Testspiel ist, sondern ein extrem wichtiges Fünf-Tage-Match.) Dabei müssen die Mannschaften auch heute noch ganz in Weiß antreten, während sie beim One Day Cricket bei den Farben der Trikots und langen Hosen freie Hand haben. 

Das erste Ein-Tages-Länderspiel (One-Day International) fand 1971 auf dem Melbourne Cricket Ground zwischen Australien und England als Ersatz für das wegen starken Dauerregens ausgefallene Test Match statt. Diese Notlösung erwies sich bald als so populär, dass schon 1975 die erste Weltmeisterschaft in England ausgetragen wurde.

Die neueste Variante ist das 2003 in England eingeführte Twenty20 (gesprochen: Twenty-Twenty) Cricket, bei dem jede Mannschaft nur 20 Overs spielt. Die Spiele beginnen in den Abendstunden, die Batsmen riskieren weitaus mehr als in den anderen beiden Varianten, so dass es zu attraktiven, schnellen, dynamischen und packenden Auseinandersetzungen kommt, die vor allem beim jungen Publikum extrem gut ankommen – schließlich muss man sich für einen Besuch nicht gleich Urlaub nehmen! Seit 2007 gibt es auch hier eine Weltmeisterschaft.

  • Der Ball
Ein Cricketball hat einen Durchmesser von nur 7,2 Zentimetern und wiegt zwischen 155 und 163 Gramm. Er besteht aus einem von eng gewickelten Tauen umgebenen Korkkern, und diese Kugel ist wiederum von vier fest zusammengenähten Lederstücken eingehüllt. Er sieht so ähnlich aus wie der alte 80-Gramm-Schlagball der Leichtathleten. 

Aber die Machart, das doppelt so hohe Gewicht, die geringe Distanz des Werfers (Bowler) und die Abwurfgeschwindigkeit (bis zu 160 km/h) kann solch einen Cricketball in ein tödliches Geschoss verwandeln. Deshalb tragen die Schlagleute nicht nur Schienbeinschützer, Suspensorium und diverse andere Polster, sondern auch Helme mit Gesichtsschutzgitter. 

Diese Helme schützen aber vornehmlich das Gesicht, nicht den ganzen Kopf. Seit dem Tod des australischen Spielers Phil Hughes am 27. November 2014, der nach einem Kopftreffer nicht mehr aus dem Koma erwachte, sehen Hersteller Handlungsbedarf bei der Konstruktion der Helme.

(Copyright: Sissi Stein-Abel)  


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