07.01. Reisefreudiger Dieb

Ein klassischer Fall von gefährlicher Sorglosigkeit
WELLINGTON. Zwei junge Touristen aus Deutschland haben den klassischen Fall von Urlauberschicksal in Neuseeland erlebt. 

Die beiden Studenten stellten ihr Wohnmobil am helllichten Tag auf einem öffentlichen Parkplatz am Westpac-Stadion in der Hauptstadt Wellington ab, und als sie zu dem Fahrzeug zurückkehrten, war eine Scheibe eingeschlagen und alles weg, was nicht niet- und nagelfest war. Koffer und Taschen mit Kleidung und Wanderausrüstungen, Laptop, Kameras, Handys, Pässe, Datensticks mit sämtlichen Urlaubsfotos, Souvenirs und unersetzliche Erinnerungsstücke von Freunden.

Ebenso klassisch war der Leichtsinn, Wertsachen und Papiere zurückzulassen, als wäre der Wagen ein Tresor. Dabei passiert das, was den jungen Deutschen passierte, im Land der Kiwis täglich, und nicht nur einmal. 

An jedem Ausflugsparkplatz wird vor Autoaufbrüchen gewarnt, und dem Paar müssen während seiner drei Neuseeland-Wochen vor dem großen Schock Dutzende solcher Schilder ins Auge gestochen sein. Doch genauso klassisch war Erklärung der Studentin gegenüber der Tageszeitung Dominion Post für die gefährliche Sorglosigkeit: „Wir haben nie etwas Schlechtes über Neuseeland gehört. Wir dachten, es wäre hier sicher.“ 

Ein Wahl-Stuttgarter beraubt Mitreisende

Außergewöhnlicher ist da schon ein Fall, der gestern in dem Weinstädtchen Blenheim im Nordosten der Südinsel Neuseelands zum Abschluss kam. Dort wurde ein in Deutschland lebender Mann (*) vor dem Bezirksgericht zu 160 Stunden gemeinnütziger Arbeit verurteilt. 

Der Mann, der mit einem Arbeitsvisum unterwegs war, erleichterte zwischen dem 1. und 25. Dezember in mehreren Backpacker-Herbergen andere Rucksackreisende um iPhones, Macbooks, Laptops, Handys und Tablets. Die elektronischen Geräte hatten einen Gesamtwert von rund 7000 NZ-Dollar (4570 Euro).

Der Raubzug flog auf, weil sich der Deutsche am ersten Weihnachtsfeiertag mit seiner Freundin über das Diebesgut stritt und die Frau in dem Hostel tätlich angriff. Die zu Hilfe gerufene Polizei nahm den Mann fest. Seine Freundin erzählte den Beamten von den gestohlenen Gegenständen, die sich in seinem Gepäck befanden. 

Richterin Jan Kelly sagte laut der Tageszeitung Marlborough Express, die Diebstähle seien in höchstem Maße widerlich, weil sie sich gegen andere Reisende richtete und dass die Opfer Leute waren, die gespart hatten, um nach und durch Neuseeland zu reisen, und knapp bei Kasse waren. „Es war ein massiver Vertrauensbruch“, sagte die Richterin, die dem Urlauber für die Diebstähle 120 Stunden und für den Übergriff auf seine Freundin 40 Stunden gemeinnützige Arbeit aufbrummte. 

Die Facebook-Seite des Mannes lässt darauf schließen, dass er extrem reisefreudig ist. In den zurückliegenden Monaten hat er Fotos aus Thailand, Australien und Neuseeland gepostet. Allem Anschein nach hatte er die Zeit seines Lebens, ehe er das Lager wechselte und anderen Touristen den Urlaub ruinierte.



* Name des Mannes aus Deutschland sowie Details zu Wohnort und Herkunft im September 2018 entfernt, nachdem mich der geläuterte Dieb kontaktiert und berichtet hatte, wie schwierig es ist, ein neues, besseres Leben aufzubauen, wenn Arbeitgeber von seinem Vorleben erfahren. In den Medien in Deutschland werden Namen bei ähnlichen Vergehen nicht genannt, deshalb mein Entgegenkommen. In Neuseeland werden Namen in der Berichterstattung prinzipiell genannt, es sei denn, die betroffene Person stellt bei Gericht einen Antrag auf Namensunterdrückung. Solchen Anträgen wird nur in Ausnahmefällen stattgegeben.

Der Mann schrieb unter anderem:
"Die Fehler die ich auf meiner Reise nach Neuseeland gemacht habe, bereue ich bitter. Regelmäßig werde ich mit diesen Artikel konfrontiert, in meinem privaten Leben als auch in meinem Arbeitsleben. Was es mir wirklich schwer macht, etwas hier aufzubauen. Ständig verliere ich meine Arbeitsstellen und das Vertrauen zu Personen, die mir wichtig sind. [...] Ich bin nicht stolz auf das, was ich tat, und schäme mich dafür. Doch ich versuche, ein anderes Leben zu führen und besser zu werden."

In diesem Sinne: Alles Gute! 


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