10.04. Diebe wider Willen

Der Einfallsreichtum von Rucksack-Touristen
CHRISTCHURCH. Rucksack-Touristen haben aus vielerlei Gründen einen schlechten Ruf in Neuseeland. Sie übernachten in ihren Autos und Wohnmobilen, wo immer es ihnen beliebt, und nutzen Vorgärten und Dünen als Toiletten. Sie campieren in ruhigen Wohngebieten am Straßenrand und feiern vor den Wohnzimmern der Hausbesitzer feucht-fröhliche Partys. Oder sie ziehen mit ihren Schlafsäcken Nacht für Nacht in die Ankunfts- und Abflughallen der Flughäfen, um Übernachtungskosten zu sparen. 

Viele Neuseeländer nennen sie „tourist trash“, Touristenmüll, Touristengesindel, weil sie sich auf Kosten der Einheimischen ein schönes Leben machen. Die Deutschen sind immer an vorderster Front, wenn es um unliebsame Begegnungen mit der anderen Urlauber-Art geht.

Der Einfallsreichtum kennt keine Grenzen, aber was gestern publik wurde, war neu: Zwei junge Männer aus Radebeul in Sachsen, 20 und 21 Jahre alt, und eine 21-jährige Frau aus Stephanskirchen in Oberbayern wurden vor dem Bezirksgericht in Christchurch zu Schadensersatzzahlungen in Höhe von 602 NZ-Dollar (420 Euro) verurteilt, weil sie am Flughafen der größten Stadt der Südinsel Neuseelands ein Wohnmobil einer Autovermietung gestohlen haben. Unfreiwillig und unwissend, wie sie glaubhaft versicherten. Deshalb das milde Urteil. 

Die Subkultur der Nulltarifler

Der Fall beleuchtete einen der neueren Aspekte der durch Mund-zu-Mund-Propaganda verbreiteten Eigenarten der Subkultur des Rucksack-Tourismus, dessen oberstes Ziel es ist, möglichst zum Nulltarif durch das Land der Kiwis zu reisen, um möglichst viel Geld für Abenteuer wie Bungy Jumping, Jetbootfahren und Gletschertouren übrig zu haben. 

Sie hätten in Australien gehört, dass Rucksack-Touristen, denen es nicht gelingt, ihre billig erworbenen klapprigen Campervans vor der Heimreise zu verkaufen, die Fahrzeuge einfach mit den Schlüsseln in der Fahrertür am Flughafen stehen lassen und auf diese Weise Neuankömmlingen eine Freude bereiten, sagten die Deutschen. 

So suchten sie in Christchurch nach solch einem Wagen und fanden ihn drei Stunden, nachdem er geparkt worden war, und zwar außerhalb der reservierten Mietwagen-Zone, behaupteten sie. 

Freudig erregt nahmen sie Besitz von dem Fahrzeug, hatten aber nicht lange Freude daran, denn nach einigen Tagen wurden sie wegen Diebstahls verhaftet. Ihr Gepäck bekamen sie zurück, als sie die Strafe gezahlt hatten. 

Sie brauchten es dringend, denn trotz des Pechs mit dem Wohnmobil, für das sie letztlich den vollen Preis zahlen mussten, planen sie, ihre Neuseeland-Reise bis in den Mai hinein fortzusetzen. Die Autovermietung hieß übrigens „Lucky Rentals“, Glücksvermietung.


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Ist der Ruf erst ruiniert...

Die Mehrzahl der Backpackers übernachtet in Hostels und auf Campingplätzen, aber aufgrund der Aktivitäten der sogenannten "Freeloaders", die alles umsonst haben möchten und sanitäre Einrichtungen an jedem Parkplatz verlangen, an dem sie sich niederlassen wollen, hat auch ihr Ruf im Lauf der vergangenen Jahre Schaden genommen. 

Deshalb sei an dieser Stelle darauf hingewiesen, dass es sich bei jenen Umweltverschmutzern und Schmarotzern um eine Minderheit handelt - und die Deutschen sind leider immer vorne dran. Das Phänomen, sich von solchen Landsleuten zu distanzieren, nennt man Fremdschämen.

Siehe auch mein Post vom vergangenen Jahr:
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