24.08. Gefährliche Würmer

Auf Wurmfarmen lauert der Tod an jeder Ecke
(Achtung, Überschrift satirisch - Regierungspläne real...) 

Es ist zum Wiehern. Und sogar die Hühner lachen. Diese tierischen Reaktionen auf die neuesten Reformpläne der neuseeländischen Regierung, mittels der „Health and Safety Reform Bill“ die Arbeitsplätze sicherer zu machen und die hohe Zahl der Arbeitsunfälle drastisch zu reduzieren, passen wie die Faust aufs Auge. 

Denn die vom zuständigen Minister Michael Woodhouse veröffentlichte Liste mit 57 Berufszweigen, in denen der Tod praktisch an jeder Ecke lauert, umfasst Industriezweige wie Wurmfarmen, Katzen-, Alpaka- und Schmetterlingszucht, Minigolf, Lavendelplantagen sowie das Einsammeln von Tannenzapfen. 

Auf der anderen Seite fallen Abrissunternehmen und Baumpflege-Betriebe ebenso wie Arbeit in Steinbrüchen sowie in der Milchwirtschaft, Rinder- und Schafzucht in die Kategorie „risikoarm“. Dabei beweist die Statisitik genau das Gegenteil. Allein im vergangenen halben Jahr starben in Steinbrüchen drei Neuseeländer, und in der Landwirtschaft waren in den vergangenen fünf Jahren mehr als 100 Tote zu beklagen. 

So ernst das Thema auch ist, das Volk kichert, und die Medien werden nicht müde, sich über das skurrile Konzept und die Vetternwirtschaft der konservativen Nationalregierung mit der starken Farmlobby lustig zu machen. In jedem Fernsehbericht wühlt ein Wurmzüchter in einem Haufen Regenwürmer, von deren Killerqualitäten die Beamten des Ministeriums für „Workplace Relations“ (Arbeitsplatzbeziehungen), die diese abstrusen Listen verbrochen haben, offenbar überzeugt sind. 

"Die Regierung hat Angst vor den Farmern"

Oppositionsführer Andrew Little nennt die „absurden Widersprüche“ bei der Einteilung einen „nationalen Witz“, der die Gesetzgebung untergrabe. „Die Nationalpartei hat ihre eigenen Interessen über die Sicherheit gestellt“, so der Vorsitzende der Labour-Partei, der staunte, „wie viel Angst die Regierung vor den Farmern hat“. 

Die Einstufung ist ein Politikum, denn sie hat finanzielle Folgen für die verschiedenen Industriezweige. Hochrisiko-Betriebe müssen, selbst wenn sie weniger als 20 Angestellte haben, einen für die Einhaltung von Gesundheits- und Sicherheitsrichtlinien zuständigen Angestellten beschäftigen. In risikoarmen Branchen geschieht dies auf freiwilliger Basis.

Laut Angaben der Regierungsagentur „Worksafe New Zealand“ sterben im land der Kiwis jedes Jahr 73 Menschen bei der Arbeit, jeder zehnte Arbeiter wird verletzt, und 600 bis 900 Personen sterben an arbeitsbedingten Krankheiten. Das kostet den Staat und damit den Steuerzahler jährlich 3,5 Milliarden NZ-Dollar (rund zwei Milliarden Euro). 

Die staatliche Unfallversicherung ACC (Accident Compensation Corporation) berichtete erst kürzlich von 500 bis 1000 Verletzungen monatlich in der Milchindustrie. Die häufigsten Ursachen sind Unfälle mit Farmfahrzeugen, insbesondere Quadbikes, und beim Kalben sowie Bisse und Schläge von Kühen. 

Die skurrile Relativitätstheorie des Ministers

Warum all dies bei der Einstufung der von den Reformen verschonten Landwirtschaft keine Rolle spielt, begründete Minister Woodhouse auf phantasievolle Art: „Die Todes- und Verletzungsquote auf den Farmen ist hoch, aber das ist unsere größte Industrie. Wenn man das proportional pro 1000 oder 100.000 berechnet, fallen sie unter die Schwelle, die wir gesetzt haben.“ 

 Obwohl ausgerechnet in dieser anfälligen Branche alles im alten Trott weitergehen kann, geht der Minister davon aus, dass die Zahl der Todesfälle am Arbeitsplatz bis 2020 um 25 Prozent sinken wird. 

Woodhouse, der selbst an glücklichen Tagen so hölzern wirkt wie ein Nussknacker, ist einer jener sich regelmäßig wiederholenden Fälle, in denen ein Minister die Aufzeichnungen seiner Beamten nach außen hin blind präsentiert, ohne sich vorher wirklich damit beschäftigt zu haben. „So genau wie die Medien habe ich mir die Listen natürlich nicht angeschaut“, gab er zu, beharrte aber trotz Spott und Hohn darauf, dass „wir im Detail das richtige Maß gefunden haben“. 

Nach zweitägigem Nachdenken räumte er immerhin ein, dass die Einstufung der Wurmfarmen „ein bisschen dumm“ wirkt. Änderungen vor der ersten Lesung im Parlament schloss er jedoch aus. „Das werden wir bei Gelegenheit nachholen“, meinte er. Bis dahin bleiben Regenwürmer für Menschen gefährlicher als wilde Stiere. Es ist zum Kringeln.

(Copyright: Sissi Stein-Abel)  

So gefährlich sind Regenwürmer ;-)

Copyright: Sissi Stein-Abel
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