Home‎ > ‎Nachrichtenarchiv 2014‎ > ‎

09.04. Baby George

Krabbelstunde mit dem künftigen König
WELLINGTON. Was tun, wenn ein ganz gewöhnliches Baby ein Bauklötzchen nach dem königlichen Hoheitchen wirft? Einschreiten! Was tun, falls der kleine Prinz mit einem Spielzeugauto die Sicherheit eines Kiwi-Kinds gefährdet? Einschreiten! Was anziehen? Gepflegt-legere Kleidung. Mit welcher Anrede die Prinzeneltern begrüßen? Erst mit „Königliche Hoheit“, dann mit „Sir“ bzw. „Ma’m“ wie in „jam“. 

Nach drei Gruppensitzungen mit Benimm-Experten des Innenministeriums waren zehn polizeilich untersuchte und als ungefährlich eingestufte neuseeländische Elternpaare protokollsicher genug, um mit ihren Babys auf das britische Thronfolger-Paar und Baby George losgelassen zu werden.

Es war der erste offizielle Termin, den der jüngste Spross des britischen Königshauses beim Staatsbesuch von William und Kate wippend und krabbelnd wahrnahm, und er zeigte sich im Gouverneurspalast in Wellington wahrlich nicht erschrocken, stürzte sich mitten hinein ins Gewühl. Erst grabschte der Mini-Windsor nach Klein-Lily, die kurz danach heiße Tränen vergoss. Dann schnappte er einem Mädchen namens Amelia eine Holzpuppe weg, bloß um sie gleich danach auf den Boden zu werfen.

Glucksen, Plappern, Quieken, Lachen, Weinen, Kreischen

Übertönt von Glucksen, Plappern, Quieken, Lachen, Weinen, Kreischen und allgemeinem Stimmengemurmel plauschten die Auserwählten mit den blendend gelaunten Royals. Diese gaben sich so locker, dass hinterher wieder jeder sagte, der Herzog und die Herzogin von Cambridge seien so normal wie jedes andere frischgebackene Elternpaar auf der Welt. Abgesehen davon natürlich, dass ihr zehntägiger Besuch den neuseeländischen Steuerzahler 750.000 Euro kostet, Kate in den drei Wochen in Neuseeland und Australien bei 45 Terminen vermutlich 32 Mal die Garderobe wechseln und Baby George von einem spanischen Kindermädchen betreut wird. 

Der kleine Prinz braucht genau das nicht, wovon alle zehn Babys profitieren, die er gestern traf: Sie sind bei Plunket registriert, das ist eine Wohltätigkeitsorganisation, die kostenlos alle neuseeländischen Kinder zwischen null und fünf Jahren begleitet und deren Eltern berät, sofern sie diesen Service wünschen. Gestern wurde George Ehrenmitglied und erhielt als Geschenk einen großen hellblauen Plunket-Plüschbären.

Der Babyauflauf in der Residenz des neuseeländischen Generalgouverneurs Sir Jerry Mateparae, der als Stellvertreter des Staatsoberhaupts, der Queen, fungiert, demonstrierte die Gemeinsamkeiten der Privilegierten und des gemeinen Volks. 

Buntes Völkergemisch der neuseeländischen Gesellschaft

Alle Mütter und Väter waren verheiratete Ersteltern wie William und Kate, und ihr Nachwuchs – vier Jungen und sechs Mädchen - wurde wie George im vergangenen Juli geboren. Sie repräsentierten das bunte Völkergemisch, das die neuseeländische Gesellschaft kennzeichnet: Europäer, Maori, Südsee-Insulaner, asiatische Einwanderer – und ein homosexuelles Paar, mit dem sich Kate angeregt unterhielt. 

Diese Liberalität ging einigen ausländischen Medienvertretern – trotz der Zustimmung des Königshauses - dann doch einen Schritt zu weit und sorgte für Diskussionen oder wenigstens Naserümpfen. Gleichgeschlechtliche Eheschließungen sind in Großbritannien erst seit 29. März möglich, in Neuseeland bereits seit 19. August 2013. Die Paare waren am terminfreien Dienstag den Medien präsentiert worden.

William, Kate und George tauchten erst gestern wieder auf. Nach ihrer Ankunft am Montag waren sie zur Erholung nach dem langen Flug für zwei Nächte in der Wharekauhau Lodge verschwunden. Das ist eine Luxusherberge mit Meerblick in der Palliser Bay, eineinhalb Stunden Fahrt nordöstlich von Wellington gelegen, in der auch schon Nicole Kidman und die Rolling Stones genächtigt haben. Jetzt in der Nebensaison gibt’s die Unterkunft zum halben Preis – rund 600 Euro fürs Doppelzimmer.

Fliegender Kleiderwechsel 

Auf der Fahrt zum Gouverneurspalast, in dem die Royals nun residieren, hatte Kate, wie Mode-Experten feststellten, ein Jersey-Wickelkleid des italienischen Labels MaxMara an, das sie schon bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung im Februar und bei der Zwischenlandung in Sydney getragen hatte.

Zum Plunket-Spiel- und Plaudertreff erschien sie dann in einem kurzärmeligen geometrisch gemusterten schwarz-weißen Kleid von Designer Tony Burch. William trug Blue Jeans und ein mittelblaues Hemd mit hochgekrempelten Ärmeln. 

Auch Klein-George präsentierte sich sommerlich in einem weißen T-Shirt und dunkelblauen kurzen Latzhosen mit Segelboot-Aufdruck. Weitere Auftritte des Wonneproppens, der aussieht wie William vor 31 Jahren, sind nicht geplant, trotz der Begeisterung, die er gestern mit seinem lebendigen, freundlichen und resoluten Wesen auslöste. Ein großer Hit, ganz wie die Eltern.



INFO

Plunket ist ein kostenloser Wohlfahrtsservice für Kinder von null bis fünf Jahren sowie deren Eltern, den 91 Prozent aller neuseeländischen Familien mit Neugeborenen in Anspruch nehmen. Das Angebot ist vielfältig und reicht von Gesundheitschecks durch staatlich geprüfte Krankenschwestern über Erziehungs- und Ernährungsberatung bis hin zu Spiel-, Eltern- und Kaffeegruppen sowie einen Leihservice für Kindersitze. 

Man kann ein Plunket-Zentrum aufsuchen oder Hausbesuche arrangieren. Finanziert wird das Ganze durch das Gesundheitsministerium, Sponsoren, Spenden und die Arbeit von unzähligen freiwilligen Helfern.

Der damalige Direktor der Kinderwohlfahrt, Sir Frederic Truby King, gründete Plunket 1907. Er benannte den Service nach Lady Victoria Plunket, der Ehefrau des damaligen Generalgouverneurs. Sie war Mutter von acht Kindern.



Comments