16.06. Wandel in Bildern

Strahlende Schönheit als trauriger Trümmerhaufen
Wir haben den schönsten Sonnenschein und blauen Himmel in Lyttelton. Die Temperaturen sind angenehm, gestern haben wir sogar vor dem neuen Domizil der Bäckerei - einem Container an der Stelle des abgerissenen Royal Hotels - gemütlich im Freien gesessen. Ein Glück, dass der Winter dieses Jahr auf sich warten lässt, damit die Leute, die ohne Heizung in feuchten, zugigen Häusern sitzen, wenigstens nicht erfrieren.
 
Vorgestern, nachdem ich meine Website auf den aktuellen Stand gebracht hatte, bin ich durch Lyttelton gewandert und habe die neuen Erdbeben-Schäden fotografiert. Alle drei Kirchen sind jetzt nur noch Ruinen, die Dächer, die nach dem Februar-Beben noch in guter Form schienen, sind beschädigt, weil die wackeligen Wände nachgaben. Das Dach der Holy Trinity Church liegt mehr oder weniger flach auf dem Rasen, hat den Kirchenbau unter sich begraben.
 
Auf den Bildern unten habe ich den Effekt der Erdbeben-Serie im Raum Christchurch anhand der Zerstörung der anglikanischen Holy Trinity Church in Lyttelton dokumentiert. Sie sieht von allen drei Kirchen hier im Ort am dramatischsten aus.
 

Holy Trinity Church - unbeschädigt vom 7,1-Beben im vergangenen September
(Das Foto ist zwar älter, aber die Kirche sah genauso aus)

Ziemlich stark beschädigt nach dem Beben am 22. Februar,
die Mauern abgestützt, Fenster herausgefallen.
 
Ein paar Tage später wurde aus Sicherheitsgründen die Turmspitze
abgehoben, da sie einsturzgefährdet war.

Die totale Zerstörung am Montag, 13. Juni, nach dem 6,3 starken Erdbeben.

Das einzige, was von der Holy Trinity Church noch steht.
 
 
Mehr Hiobsbotschaften
 
Der einzig positive Aspekt des 6,3-Bebens am vergangenen Montag war die Tatsache, dass wir alle glaubten, das mit 23 Prozent Wahrscheinlichkeit vorhergesagte Beben der Stärke 6,0 hätte nun hundertprozentig stattgefunden und wir hätten ES wirklich hinter uns. April, April!
 
Einen Tag später der nächste Tiefschlag, der mit einem weiteren Tag Verspätung gestern auf der Titelseite unserer Zeitung The Press prangte: Die Seismologen des nationalen Instituts für Geologie und Nuklear-Wissenschaften (GNS) gaben bekannt, dass wir im kommenden Monat mit 30-prozentiger Wahrscheinlichkeit ein Beben der Stärke 6,0 bis 6,9 erleben werden! Sechskommaneun!
 
Sollte das Ereignis in diesem Zeitraum nicht eintreten, sinkt die Wahrscheinlichkeit auf 23 Prozent. Begründung: Die Erdbeben-Sequenz ist hier nicht normal, deshalb greifen auch die üblichen Computer-Modelle nicht.
 
Das Epizentrum des Bebens am Montag soll auf einer anderen - parallel verlaufenden - Verwerfungslinie gelegen haben als das des Februar-Bebens. Wir haben hier ein Netzwerk von miteinander verbundenen Verwerfungslinien, von denen vor Februar kein Mensch wusste. Jedes Beben aktiviert eine andere Verwerfungslinie.
 
Angesichts dieser Perspektive ist es fast unsinnig, mit dem Neuaufbau zu beginnen. Trübe, traurige Aussichten, die an die Moral gehen. Als ich am Dienstag durch Lyttelton wanderte, grüßten manche Leute nicht einmal zurück. Alle haben die Schnauze voll, von allem und jedem.
 
 
 
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