Nachrichtenarchiv 2013

Ein gutes Neues Jahr aus dem unreparierten Haus
18. Januar 2013
 
... und so vergingen zweieinhalb Monate, in denen ich keine neuen Texte auf meine Website gestellt habe. Dabei hätte ich so viel zu sagen gehabt!
 
Auf jeden Fall erst einmal ein gutes Neues Jahr all jenen, die meine Website besuchen - und auch jenen, die keinen Computer besitzen oder mich ignorieren.
 
 
Christchurch, wo noch immer mehr abgerissen als wiederaufgebaut wird, hat gerade ein Jubiläum "gefeiert" - das elftausendste Erdbeben/Nachbeben seit dem ersten schweren Schlag am 4. September 2010. Es hatte die Stärke 3,0 auf der Richterskala - und wir haben es nicht gespürt!
 
Zwar besteht noch immer die Gefahr eines ganz schweren Bebens, aber in den vergangenen Monaten haben Häufigkeit und Stärke der Erschütterungen kontinuierlich nachgelassen. Das hat dazu geführt, dass wir jetzt schon bei einem 3,0-Beben - falls wir es spüren! - zusammenzucken, während wir noch vor einem Jahr einen 5,0-Rumpler locker auf dem Sofa ausgesessen haben.
 
Freunde und Bekannte fragen ständig, ob unser Haus mittlerweile repariert worden ist. Nein, ist es nicht. Die Leitstelle der nationalen Versicherung EQC hat unseren Fall im März 2012 an die Aufsicht führende Baufirma Fletcher weitergegeben, nachdem der komplette Reparaturplan samt Kostenvoranschlägen im Dezember 2011!! gemacht worden war. EQC hatte dann noch ein paar wenige Fragen, führte eine kurze Inspektion durch und reichte die Akte dann weiter.
 
Meine Recherchen haben ergeben, dass es bei Fletcher einen sogenannten "Quantity Surveyor" gibt, der jeglichen Fortschritt aufhält. Dieser Mensch muss die Kostenvoranschläge der ausführenden Handwerksbetriebe überprüfen. Jener in Lyttelton ist offenbar nicht in der Lage, die Arbeit zu delegieren. Zudem scheint die Software katastrophal zu sein.
 
Das Resultat ist jedenfalls, dass dieser Fortschrittsverzögerer - ich habe ihn in "Quantity Delayer" umbenannt - so lange auf den Akten gesessen hat, bis sie nicht mehr aktuell waren, und erst nach meinen diversen Anrufen hat er sie an den Handwerksbetrieb, der für die Arbeiten zuständig ist, zurückgegeben, um die Kostenvoranschläge auf den neuesten Stand zu bringen. D.h. dieser Betrieb muss die Arbeit zwei Mal machen, weil an der entscheidenden Stelle eine Trantüte sitzt!
 
Das war Ende Oktober 2012. Mittlerweile haben wir eine Notreparatur bekommen, weil das Dach ein Leck hatte; bei dem Gerüttel haben sich Nägel gelockert, die das Wellblech auf dem Haus halten. Die machen auch noch mehr Notreparaturen, bis dieser Mensch zu Potte kommt und die Versicherung und damit auch den Steuerzahler noch mehr Geld kostet.
 
Bei meinem neuerlichen Anruf in dieser Woche musste ich wieder einmal feststellen, dass die Fletcher-Leute auch zwei Jahre nach Beginn ihrer Arbeit in unserem kleinen Dorf noch immer nicht die Namen der Straßen kennen.
 
Es dauerte geschlagene zehn Minuten, bis die Dame am Telefon unsere Akte gefunden hatte - nachdem ich ihr den Straßennamen buchstabiert hatte. Dann holte sie eine offenbar wichtigere Frau ans Telefon. Die sagte mir, sie hätte keine Ahnung, wann unser Haus repariert werden wird. Sie wisse nicht einmal, wann wir Bescheid bekämen. Morgen oder in einem halben Jahr. Aber sie denke, es sei "not far away".
 
Mir geht's gar nicht um den genauen Termin der Reparaturen, sondern darum zu WISSEN, wann die Reparaturen durchgeführt werden, damit ich Termine für berufsbedingte Reisen festlegen kann. Ich arbeite nämlich nicht nur journalistisch, sondern auch an einem Buch, das Anfang 2014 auf den Markt kommen soll.
 
Ach ja, "many, many" andere Leute seien in der gleichen Situation wie ich, sagte die wichtigere Frau. Klar - ganz Lyttelton besteht aus freischaffenden Künstlern. Vermutlich sogar ganz Christchurch und Neuseeland. Ich verabschiedete mich mit der Ankündigung, bald wieder anzurufen. Nicht dass dort noch jemand einschläft ;-)
 

In diesem Sinne ein produktives Jahr 2013!