17.10. Rathaus-Sex

Aucklands Bürgermeister Brown lässt die Hose runter
In Neuseeland geht es nur noch um Sex. Manche sagen, das ist kein Wunder. Wenn man auf solch einsamen Inseln im Südpazifik lebt, ohne Außenwelt und kleinen Grenzverkehr, dann ist es für viele Leute die einzige Freude. 

Das erklärt vielleicht auch, warum die Frauen der Nation laut Statistik die promiskuitivsten der Welt sind, auf Deutsch: Sie haben die meisten Sexpartner. Deshalb wird in Christchurch gerade auch diskutiert, ob nun die irischen Handwerker, die zum Wiederaufbau in die Erdbebenstadt geströmt sind, den weiblichen Teil der Bevölkerung mit Chlamydien angesteckt haben oder ob die liebestollen einheimischen Frauen für den sprunghaften Anstieg an Geschlechtskrankheiten unter irischen Gastarbeitern verantwortlich sind.

Aber das ist alles nichts gegen den Sturm, der über die windgepeitschten Inseln fegt, seit bekannt geworden ist, dass der soeben wiedergewählte sozialdemokratische Bürgermeister von Auckland, Len Brown, eine zwei Jahre währende Affäre mit einer 25 Jahre jüngeren Hongkong-Chinesin namens Bevan Chuang hatte (die sich zwischendurch auch für Chlamydiose behandeln lassen musste).

Die 32-jährige Frau, die erfolglos für den Stadtrat kandidierte, packte auf der Website „Whale Oil“ aus, hinter der Cameron Slater, ein Unterstützer der konservativen Nationalpartei, steht.

Die Ex-Geliebte lässt kein Detail aus

In Nullkommanichts wurde der 57jährige Brown, der seit mehr als 20 Jahren verheiratet ist und drei Töchter hat, zum Gespött der Nation. Witze über seine sexuelle Ausdauer und die Orte und Art seiner Orgasmen füllten Seiten, denn jedem fiel etwas Lustiges ein, denn Chuang ließ bei ihrer Beichte kein Detail aus. 

Sie enthüllte, dass der oberscharfe Bürgermeister immer schon nach zwei Minuten fertig war, sich weigerte, Kondome zu benutzen, und sie es in Hotels, Sitzungssälen und seinem Büro getrieben hätten. Einmal seien sie sogar nackt von einem Sicherheitsbeamten erwischt worden. Brown, der die Affäre vor einigen Monaten beendete, habe im Rathaus einen Ruf als „geiler Bock, der seinen Blick nicht von attraktiven weiblichen Angestellten wenden kann“. Und er habe den Wunsch geäußert, sie zu schwängern, weil sie sich ein Baby wünschte.

Trotz des Amüsements – gepaart mit Mitleid für die Familie, die unschuldig in den Strudel der öffentlichen Demütigung hineingerissen wurde – kam natürlich auch die Kernfrage auf, ob Brown als Bürgermeister der größten Stadt Neuseelands noch tragbar sei und ob es nicht an Wahlbetrug grenze, sich als liebender Familienvater zu präsentieren und es hinter dem Rücken seiner Frau und Kinder mit einer Mitarbeiterin zu treiben. Ein Fall à Bill Clinton und Monica Lewinsky im Kleinformat.

Ein klassischer Fall von Hochschlafen

Dieser Vergleich bestärkt Slater in der Forderung nach Browns Rücktritt: „Als die Affäre herauskam, war Bill Clinton als US-Präsident nur noch eine lahme Ente. Len Brown kann nach dieser Geschichte für die Stadt Auckland nichts mehr bewegen.“

Brown hatte Chuang Mitte 2011 kennengelernt, als sie einer Kommission angehörte, die den Stadtrat in Fragen des multikulturellen Miteinanders beriet, und war sofort Feuer und Flamme. Sie selbst, sagte die Hongkong-Chinesin, habe den Bürgermeister nicht attraktiv gefunden, aber sein Interesse habe ihr geschmeichelt. Außerdem hatte sie die Ambition, in der Lokalpolitik Fuß zu fassen. Ein klassischer Fall von Hochschlafen.

Im Lauf der Zeit habe Brown sie jedoch behandelt „wie eine Prostituierte“, klagte sie. Passend oder unpassend dazu kursierten im Internet Fotos der schlanken, langhaarigen Frau als aufreizend gekleidete Burlesque-Tänzerin – Vorgängerform des Striptease. „Für einen praktizierenden Katholiken ist Len Browns Verhalten unglaublich scheinheilig“, sagte die abservierte Geliebte.

Auch mit dem politischen Feind im Bett

Der New Zealand Herald präsentierte SMS-Nachrichten, aus denen hervorgeht, dass Chuang eine Beziehung mit Luigi Wewege, einem Mitglied des Wahlkampf-Teams von Browns Gegenkandidat John Palino, hatte. Und der Wahlkampf-Manager war niemand anderes als Whale-Oil Slaters Vater! Wewege wiederum übte Druck auf Chuang aus, um Brown bloßstellen zu können. Was letztlich erst gelang, als die Wahl gelaufen war und Brown mit 50.000 Stimmen Vorsprung gewonnen hatte. Dann war auch Wewege wie vom Erdboden verschwunden.

Der enttarnte Fremdgänger beharrte darauf, nicht zurückzutreten, und die öffentliche Meinung ist ungefähr 50:50. Er habe zwar in seinem Privatleben versagt und „Schaden, Schande und Demütigung über meine Familie gebracht“, sagte Brown, aber als Bürgermeister habe er gute Arbeit geleistet. Beides ist unbestritten.

Die große Frage ist, wie lange er das Spießrutenlaufen aushält – und ob diese Affäre nicht seine einzige war. Die Spannung ist auch groß, ob nun die politische Linke zum Gegenschlag ausholt und einen Konservativen der Öffentlichkeit zum Fraß vorwirft.

Aus der Hauptstadt Wellington ist nichts Dergleichen zu erwarten. Zwar werden regelmäßig Liebesaffären von Parlamentariern publik, und jeder weiß so ziemlich alles – aber genau deshalb ist dort Schweigen Gold. Jeder hat selbst zu viele Leichen im Keller beziehungsweise außereheliche Sexpartner auf dem Schreibtisch.



Wer den Schaden hat...

Die im Text erwähnten Len-Brown-Witze sind hier zu finden:

http://www.whaleoil.co.nz/2013/10/fifty-shades-brown-jokes/#axzz2hwRPdIgq

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