27.08. Honig-Betrug

Etikettenschwindel: Nur der Preis stimmt
Kürzlich war’s verunreinigtes Molkenpulver, das der neuseeländische Milchriese Fonterra in Südostasien in Umlauf brachte. Kaum eine Woche später wurde ein Proteinpulver (Lactoferrin) des Milchproduzenten Westland Milk in China unter Quarantäne gestellt, weil es überhöhte Nitratwerte aufwies.

Jetzt hat die Lebensmittelindustrie Neuseelands ihren nächsten Skandal, über dessen Ursprung die Ermittler allerdings noch im dunkeln tappen: Betrüger im In- oder Ausland haben Honig als Manukahonig in Umlauf gebracht, der außer dem astronomisch hohen Preis nichts mit dem antibakteriell wirkenden Originalprodukt gemein hat.

Der Etikettenschwindel hat nach Angaben der neuseeländischen Produzenten-Vereinigung UMFHA (Unique Manuka Factor Honey Association) gigantische Ausmaße. Fast der komplette Weltmarkt wird mit Manukahonig aus Neuseeland beliefert; jährlich werden hier 1700 Tonnen herstellt. Aber allein in Großbritannien werden 1800 Tonnen mit Manuka-Aufklebern versehene Gläser verkauft und weltweit 10.000 Tonnen, gab der UMFH-Vorsitzende John Rawcliffe bekannt. Sprich: Bei 8300 Tonnen handelt es sich um irgendwelchen Blütenhonig unbekannter Herkunft.

Aber wie schon in den Milchpulver-Krisen hat der Marktführer in Neuseeland keine gute Figur gemacht, um sein Produkt zu schützen. Bevor die UMFHA nämlich in die Gänge kam, hatte die britische Behörde für Lebensmittelstandards (FSA) eine landesweite Warnung an alle Händler herausgegeben, ein besonderes Auge auf alle mit Manuka bezeichneten Honigprodukte zu werfen. 

Bei Tests hatten elf von 23 Manukahonigen keine Spuren des „einzigartigen Manuka-Faktors“ (UMF) enthalten, der Manukahonig so wertvoll und teuer macht.

Weitere Untersuchungen in diesem und im vergangenen Jahr in Großbritannien, China und Singapur entlarvten 41 von 73 Produkten als Fälschungen. Separate Proben in Hongkong wiesen in 14 von 55 Fällen die Verunreinigung mit Sirup nach. „Wir wussten, dass mehr Manukahonig verkauft als produziert wird“, sagte Rawcliffe. „Wir wussten, dass etwas nicht stimmte. Deshalb haben wir alle Hebel in Bewegung gesetzt, um diesem Betrug auf die Spur zu kommen. Aber wir hätten schneller reagieren müssen.“

Antibakerielle Wirkung dank Methylglyoxal

Im Gegensatz zu normalem Honig enthält Manukahonig große Mengen des antibakteriell wirkenden Zuckerabbauprodukts Methylglyoxal (MGO), das beispielsweise die Heilung akuter Wunden beschleunigt und die Immunabwehr stärkt. Die Konzentration dieses heilenden Wirkstoffs ist bis zu hundert Mal höher als in konventionellen Honigsorten. Je höher der MGO-Anteil, desto höher der „Unique Manuka Factor“ UMF und entsprechend auch der Preis.

Die Technische Universität Dresden identifizierte 2006 Methylglyoxal als die antibakteriell aktive Komponente im Manukahonig. Seitdem wird die Qualität des Honigs nicht nur mit einer Zahl hinter der Abkürzung UMF angegeben, wobei die Zahl hinter MGO den Mindestgehalt an Methylglyoxal in Milligramm pro Kilogramm Honig angibt. Fast jedes Souvenirgeschäft in Neuseeland hat nicht nur Manukahonig im Sortiment, sondern auch Kapseln, Cremes und Lotionen.

Manuka ist ein Baum, der mit dem australischen Teebaum verwandt ist. Der lateinische Name ist Leptospermum scoparium, die deutsche Bezeichnung Südseemyrte. Er kommt im ganzen Land vor, wächst aber am besten in trockenen Gegenden und auch dort, wo sonst nicht viel gedeiht. Der Manuka ist struppig, mit dünnem Stamm, leicht abblätternder Rinde und dichtem Astwerk. Meistens ist er zwischen fünf und sieben Meter hoch, oft auch eher ein Busch als ein Baum, aber er kann auch, je nach Gegend und Umgebung, bis zu 15 Meter hoch werden. 

Der Abel-Tasman-Nationalpark ist ein Gebiet mit unglaublich hohem Manuka-Anteil. Die Blüten, bestehend aus fünf runden Blütenblättern, sind meistens weiß, seltener pink, und haben einen Durchmesser von ungefähr einem Zentimeter; die kleinen Blätter sind länglich, rund einen Zentimeter lang und schmal.

Der Manuka wächst oft Seite an Seite mit dem Kanuka (Kunzea ericoides), der wesentlich kleinere Blüten und weichere Blätter hat. Tatsächlich besteht Manuka-Honig zu 60 Prozent aus dem Honig des Kanuka. 

Fast schon lustig ist, dass Manukahonig bis 1981 als minderwertiger Honig eingestuft und an Rinder verfüttert wurde. Viel mehr Wert hat auch heute so mancher Manukahonig nicht – weil im Fall von 8300 Tonnen nicht drin ist, was draufsteht.



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