18.01. Wackeliger Premier

Nach Ohnmachts- und Quasselanfall "Tutto Bene"
Von Sissi Stein-Abel 

CHRISTCHURCH. Da die wichtigsten Parlamentarier in Neuseeland auch jedes noch so unwichtige Thema persönlich kommentieren, werden Fernsehzuschauer jahrein, jahraus mit Politiker-Dauergequassel überflutet. Während der Sommerpause stellt jede große Partei – und das sind National, Labour und die Grünen – einen Mann bzw. eine Frau für gelegentliche Stellungnahmen zu aufflackernden Diskussionen und Zwischenfällen ab. Das beschert dem Volk eine himmlische Weihnachtsruhe von den Worthülsen-Gewittern aus Wellington.
 
Diese segensreiche Zeit endete Mitte dieser Woche, als die Abgeordneten, zurück aus ihren Urlaubsdomizilen, wieder in der Hauptstadt eintröpfelten. Da TV-Reporter stets um O-Töne verlegen sind, befragten sie die Politiker umgehend wieder zu allem und jedem, vom Wetter über verunglückte Neuseeländer in Afrika bis hin zur Cricket-Krise der Black Caps. Auch Premierminister John Key, der zusammen mit seiner Familie in seinem Luxusappartement auf der Hawaii-Insel Maui geurlaubt hatte, tauchte in jeder Nachrichtensendung gleich mehrmals auf.
 
Doch am Donnerstagabend war es mit einem Schlag wieder ruhig, denn da fiel der Regierungschef in einem Restaurant in Christchurch in Ohnmacht und wurde in die Notaufnahme des Krankenhauses der größten Stadt der Südinsel Neuseelands eingeliefert. Während seines zweieinhalbstündigen Aufenthalts untersuchten ihn drei Ärzte, die keinen Grund zur Beunruhigung fanden. Sie gaben Key grünes Licht für seinen Flug in die Antarktis, zu dem er gestern Morgen abhob. Vor dem Abflug in einer Hercules-Maschine der US-Luftwaffe demonstrierte der Regierungschef bei einer Pressekonferenz im Internationalen Antarktis-Zentrum, dass er auch die Sprache wiedergefunden hatte.
 
Das war aber nicht der einzige Grund, warum Restaurant-Besitzer Felice Mannucci erleichtert war. Vielmehr war er über eine SMS froh, in der ihm mitgeteilt wurde, dass sein Essen im „Tutto Bene“ im Stadtteil Merivale nicht schuld an John Keys Schwächeanfall gewesen sei. Die Tageszeitung The Press zitierte Restaurant-Managerin Felicity Plummer, die sagte, der 51-jährige Premierminister sei bereits blass und schwitzend in dem italienischen Lokal eingetroffen und sie habe gedacht, er werde den Abend wohl nicht heil überstehen.
 
Die Erklärung, der Jetlag habe Keys Kollaps verursacht, sorgte jedoch für Heiterkeit im ganzen Land. In Maui mag der Tag zurzeit zwar 23 Stunden später beginnen, aber der Zeitunterschied beträgt effektiv nur eine Stunde, und Key ist von Nord nach Süd und nicht rund um die Erde geflogen. Viel eher hat dem Mann mit dem Stressjob die ungewohnte Urlaubsruhe zugesetzt. Oder der Flug an sich. Ein paar Tage noch, und er ist wieder in seinem Element. Quassel, quassel, blablabla.

 

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