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04.05. Rugby League

Die Warriors: Die Krieger an der falschen Front
Es gibt in Neuseeland auch noch etwas anderes als Rugby. Rugby nämlich. Das Spiel, das die weltbekannten All Blacks beherrschen, heißt mit vollem Namen Rugby Union; jede Mannschaft hat gleichzeitig 15 Spieler auf dem Feld. 

Die schnellere Variante, wegen der geringeren Anzahl von Akteuren auch Dreizehner-Rugby genannt, heißt Rugby League. Die Kiwis, die 2008 ein Weltmeister-Wunder vollbrachten, sind das Nationalteam. Die in der Metropole Auckland beheimateten Warriors – auf Deutsch: Krieger - sind die einzige Profitruppe der Nation und Mitglied der höchsten australischen Liga, der National Rugby League (NRL). 

Die Fans sind leidenschaftlicher als die Anhänger der wesentlich erfolgreicheren Rugby-Union-Klubs, allen voran „The Mad Butcher“, der verrückte Metzger Peter Leitch, der viele der mit seiner Ladenkette verdienten Millionen in die Warriors und die Kiwis gesteckt hat. Der schwerreiche Mann spendet auch großzügig an karitative Einrichtungen. 

Sexuelle Übergriffe, Pinkelattacken und Gewaltexzesse

Bei den Warriors, so die sarkastische Einschätzung, schlägt er zwei Fliegen mit einer Klappe. Sie sind nämlich auch krank und brauchen dringend ärztliche und psychologische Hilfe. Wie überhaupt die ganze Liga, die regelmäßig von Skandalen aller Art erschüttert wird, von sexuellen Übergriffen über Pinkelattacken bis hin zu Gewaltexzessen. Laut Volksglaube liegt dies daran, dass der IQ von Rugby-League-Profis offenbar deutlich unter dem von Rugby-Union-Spielern liegt. 

Es gibt aber auch Ausnahmen. Shaun Johnson, der Magic Johnson der Rugby League und der Warriors, ist einer von ihnen. Er war in dieser Woche der einzige Spieler aus Auckland, der zum Länderspiel gegen Australien nach Newcastle flog; der Rest des Kiwi-Teams besteht aus Australien-Legionären. 

Drei andere neuseeländische Nationalspieler wurden zusammen mit drei weiteren Warriors-Profis vom Verein und ihren Nationalverbänden gesperrt, weil sie nach einer 0:42-Pleite in Melbourne den Zapfenstreich überzogen und während ihrer Kneipentour Schmerztabletten (Tramadol) mit Energy-Drinks eingenommen hatten. 

Süchtig nach verschreibungspflichtigen Arzneimitteln

Das ist zwar nicht illegal, aber gefährlich. Erst kürzlich wurde der in Diensten der Parramatta Eels stehende Neuseeländer Kieran Foran ins Krankenhaus eingeliefert, weil er eine Überdosis verschreibungspflichtiger Arzneimittel eingenommen hatte. Im vergangenen Jahr landeten Dylan Walker und Aaron Gray von den South Sydney Rabbitohs aus demselben Grund im Hospital. 

Medikamente und Energy-Drinks zu schlucken, gilt als gängige Praxis in der Rugby League. „Da das Spiel so hart ist und den Spielern physisch alles abverlangt, denken einige Profis, sie bräuchten Schmerzmittel, und wenn man sie regelmäßig einnimmt, ist die Gefahr riesengroß, dass man süchtig wird“, sagt der ehemalige Profi und heutige Fernsehkommentator Matthew Johns. „Ich denke, das ist ein massives Problem.“

Von den sechs suspendierten Warriors-Akteuren scheint es bei Manu Vatuvei – Spitzname: The Beast - besonders ausgeprägt zu sein. Ohne nähere Angabe von Gründen teilte der Klub am Dienstag mit, der äußerst populäre Spieler sei „nach medizinischem Ratschlag“ krankgeschrieben worden. Das Wohlergehen des beurlaubten Sextetts stehe im Vordergrund, und mit der Mannschaft seien intensive Gespräche geführt worden, um ähnliche Vorfälle zu verhindern. 

Nahrungsergänzungsmittel und Kokain

Neben dem Missbrauch von Schmerzmitteln hat es in der Liga in den vergangenen Jahren auch Ärger wegen der Verabreichung von Nahrungsergänzungsmitteln gegeben. Die Cronulla Sharks bekamen 2013 eine Strafe von 650.000 Euro aufgebrummt, und der Cheftrainer wurde für ein Jahr gesperrt. Im Februar 2013 flog ein Kokain-Skandal bei den Gold Coast Titans auf.

Wenn Spieler individuell aus der Rolle fallen, ist meistens Alkohol im Spiel. Weil er die ganze Liga ins Gerede gebracht hatte, wurde Mitchell Pearce von den Sydney Roosters mit der höchsten Strafe (81.000 Euro und acht Wochen Sperre) in der Geschichte der NRL belegt. Von Pearce, der sich nach dem Vorfall vor Saisonbeginn in eine Reha-Klinik nach Nordthailand zurückzog, war ein Video aufgetaucht, in dem er es mit einem Hund treibt. 

Russell Packer von St. George Illawarra, ein ehemaliger Warrior, wurde im Januar 2014 wegen schwerer Körperverletzung zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt, von denen er ein Jahr absitzen musste. 

Punktabzug wegen Verstoßes gegen die Lizenzbestimmungen

Angesichts all dieser Exzesse fällt es kaum mehr ins Gewicht, dass den Parramatta Eels in dieser Woche zwölf Punkte abgezogen wurden, weil sie jahrelang systematisch gegen die Lizenzbestimmungen verstoßen haben. Der Klub, der zudem eine Geldstrafe von 650.000 Euro erhielt, hat seinen Aktiven mehr gezahlt, als die Bestimmungen der Liga erlauben. Die NRL überweist jedem Verein für die Gehälter der Top-25-Akteure 4,1 Millionen Euro und weitere 300.000 Euro für nachrückende Talente. 

Dieses Limit existiert, um eine spannende Liga zu garantieren, denn kein Klub kann es sich leisten, die besten Profis zusammenzukaufen. Kritiker sagen, dieses System sei nur noch für Provinzligen geeignet, nicht aber für die höchste Spielklasse. Deshalb kommt es regelmäßig zu Verstößen. 2002 unterhielten die Bulldogs aus Sydney eine schwarze Kasse, 2010 die Melbourne Storm und zwischendurch (2005) auch mal die Warriors. Neuseelands Krieger, regelmäßig an der falschen Front.

(Copyright: Sissi Stein-Abel)

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