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13.06. One Tree Hill

Man kann einen Baum fällen, aber nicht den Geist
Der One Tree Hill, der Ein-Baum-Hügel, in Auckland ist solch ein herausragendes Wahrzeichen der einzigen Millionenstadt Neuseelands, dass ihn die irische Rockband U2 zu Ehren ihres tödlich verunglückten Roadies Greg Carroll 1987 auf ihrem Album „The Joshua Tree“ besang. 

Als Sänger Bono den für die Maori heiligen Ort besuchte, war der Name des 182 Meter hohen Vulkans noch Programm: Eine einsame Monterey-Kiefer schmückte den Gipfel, auf dem auch noch ein Obelisk und davor die Bronzestatue eines Maori-Kriegers stehen. 

Das änderte sich, als der Baum nach der zweiten Kettensägen-Attacke eines Maori-Aktivisten, der damit gegen die Benachteiligung der ersten Siedler Neuseelands protestierte, zum Sicherheitsrisiko wurde und im Oktober 2000 gefällt werden musste. Der One Tree Hill wurde zum Kein-Baum-Hügel, aber der Name blieb. 

Jetzt, nach fast 16 Jahren oben ohne, wurde der Gipfel in einer feierlichen Zeremonie neu bepflanzt – aber nicht nur mit einem, sondern mit neun Bäumen und einer Schutzbarriere aus niedrigeren Büschen, die die Überlebenschancen der sechs Pohutukawa (Metrosideros excelsa) und drei Totara (Podocarpus totara) auf dem windumtosten Hügel erhöhen sollen. Die Hoffnung ist, dass in zehn Jahren wenigstens einer der neun Bäume noch steht und der One Tree Hill wieder das ist, was der Name verspricht. 

Ein Meilenstein für Auckland

Paul Majurey, der Vorsitzende der für die Pflege und den Schutz der ehemaligen Maori-Siedlung zuständigen Stiftung, bezeichnete die Rückkehr der Gewächse als „Meilenstein für diesen Schatz, das Stammesland und die Bürger von Auckland“. Die 78-jährige Amy Johnson sagte: „Es zeigt, dass man einen Baum fällen, aber nicht den Geist des One Tree Hill töten kann.“ Die neuen Bäume wurden aus Setzlingen gezogen, deren Samen sich am Stamm der gefällten Kiefer angesiedelt hatten oder an den Bergflanken gesprossen waren. 

Das Klima hoch über dem Cornwall Park und dem Stadtteil One Tree Hill ist rau, auch wenn die Höhe des Berges nicht gerade schwindelerregend wirkt. Aber der Hügel, der einzige von drei Kratern, der nicht von Lavaströmen zerstört wurde, liegt ungeschützt auf dem Isthmus von Auckland, der den Pazifik und die Tasman-See trennt. Er ist einer der 55 monogenetischen Vulkane der Region, das sind Vulkane, die nur einmal ausgebrochen sind – dieser vor mehr als 28.500 Jahren. 

Der Pohutukawa, ein Myrtengewächs mit mächtigen, aber empfindlichen Luftwurzeln, überzieht die von Stürmen gepeitschten Küsten der Nordinsel um die Weihnachtszeit mit einem scharlachroten Blütenband, und das Holz des Totara, eines Nadelbaums, ist verwitterungsbeständig. 

Die einst größte und wichtigste Maori-Siedlung der Region

Im Gegensatz zu der invasiven Monterey-Kiefer sind beide Arten einheimisch. Das passt besser zu dem geschichtsträchtigen Ort, der vor der Ankunft der Europäer mit rund 5000 Bewohnern die größte und wichtigste Maori-Siedlung der Region und Heimat mehrerer Stämme war. Der Boden war fruchtbar und wurde zum Gemüseanbau terrassiert. 

Der Maori-Name des One Tree Hill ist Maungakiekie, auf Deutsch: der Berg der Kiekie-Liane (Freycinetia banksii). Aber er war auch als „alleinstehender Totara“ bekannt. Als die Briten das Land besiedelten, stand höchstwahrscheinlich ein Pohutukawa auf dem Gipfel. Ein Siedler fällte ihn 1852; ungeklärt bleibt jedoch, ob in einem Akt von Vandalismus oder auf der Suche nach Brennholz. 

Alle Versuche, einheimische Bäume zum Wachsen zu bringen scheiterten, ehe um 1870 zwei Monterey-Kiefern überlebten, die eigentlich nur zum Schutz anderer Arten gesetzt worden waren. Doch 1960 säbelte ein Unbekannter einen der beiden Bäume um. Die überlebende Monterey-Kiefer zog Einheimische und Touristen an, inspirierte U2 und Bono zu ihrem Hit „One Tree Hill“ und wurde bei den Attacken im Jahr 2000 zum Symbol der Uneinigkeit einer Nation. 

Die größte Gefahr drohte nach der Jahrtausendwende nicht mehr von politischen Aktivisten, sondern von jugendlichen Vandalen, die mit ihren übermotorisierten Autos die Zufahrtsstraße nachts in eine Rennstrecke verwandelten, Reifen abbrannten und rund um den Obelisk Saufpartys veranstalteten und Chaos anrichteten. Deshalb kann man den Berg seit 2008 nur noch zu Fuß erkunden und, vom Winde umweht, die Magie des Ortes genießen. Und in zehn Jahren – so es Natur und Mensch zulassen - wieder mit einem der neun neuen Bäume.

(Copyright: Sissi Stein-Abel)


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