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22.02. Fußball-Farce

Der Generalmanager kommt direkt vom Mars
Eigentlich hatten die Wellington Phoenix in der vergangenen Woche allen Grund zur Freude. Der australische Fußball-Verband FFA, der dem einzigen neuseeländischen Profi-Klub mit Rauswurf gedroht hatte, gewährte ihnen weitere vier Jahre Gastspielrecht in der höchsten australischen Fußball-Liga, der A-League. Das monatelange große Zittern war zu Ende, die Planung für die nächste Saison konnte endlich beginnen. 

Doch da hatte der neuseeländische Verband, New Zealand Football (NZF), der im imaginären Wettbewerb um die Krone der Inkompetenz die Konkurrenz locker hinter sich ließe, die Überlebensfeier längst verdorben. Diesmal gelang es den NZF-Offiziellen, vier Tage auf den Papieren für den Transfer des englischen Angreifers Alex Jones von Birmingham City zu sitzen, bis die offizielle Wechselfrist verstrichen war und der Weltverband Fifa den Deal, der auf Leihbasis erfolgen sollte, nicht absegnete. Jones flog unverrichteter Dinge nach Hause zurück, und die von zahlreichen Verletzungen und einer Flut von Auswärtsspielen geplagten Phoenix dümpeln weiterhin im Tabellenkeller. 

Nun liegt Neuseeland sicherlich am anderen Ende der Welt, aber die Ausrede, die Übermittlung der Formulare sei daran gescheitert, dass der verantwortliche Angestellte erst keinen Internetzugang hatte, dann das System streikte, ein lokaler Feiertag in Auckland dazukam und erst dann, als es zu spät war, jemand auf die Idee kam, die Fifa auf prähistorischen Kommunikationswegen zu kontaktieren, ist mehr als nur ein Indiz dafür, warum der Verband von einer Katastrophe in die nächste schlittert.

"Nicht der erste Hammer"

„Sie wussten vor dem langen Wochenende, dass der Transfer anstand“, sagte Ex-Stürmer Paul Ifill, „da kann wohl einer für eine halbe Stunde ins Büro gehen oder ein Smartphone in der Tasche haben. Lächerlich.“ Phoenix-Kapitän Andrew Durante sagte, ganz Fußball-Neuseeland habe die Nase voll von dem Verband, „schließlich ist es nicht der erste Hammer, den sie sich geleistet haben“. Er forderte Änderungen bei NZF, ohne ins Detail zu gehen. 

Dafür wurden die Medien umso deutlicher. Sie fordern unisono den Rücktritt des Generalmanagers Andy Martin, unter dessen Führung sich die Skandale, Schnitzer und Versäumnisse derart gehäuft haben, dass sich jeder nur ungläubig staunend fragt, ob der Fußball im Land der Kiwis überhaupt noch eine Zukunft hat. 

„Wir müssen die Nation viel öfter in Aufregung versetzen“, hatte der Engländer bei seinem Amtsantritt vor zwei Jahren gesagt. „Wir müssen unsere Spitzenteams öfter in heimischen Stadien sehen. Wir brauchen Eigengewächse als Helden.“ Die Worte klingen angesichts der Vorfälle, für die sich Martin nicht verantwortlich fühlt, wie Hohn.

Ein Verband, geführt von einem Ahnungslosen

Unter Martins Regie wurde die U23, die Oly All Whites, aus dem Qualifikationswettbewerb für die Olympischen Spiele in Rio geworfen, weil er und seine juristischen Berater mit den Spielgenehmigungen mehrerer eingebürgerter Akteure herumgetrickst und keine Freigabe bei der Fifa eingeholt hatten. 

Dem Verband ist es auch nicht gelungen, einen Gegner für die All Whites, so der Spitzname der Fußball-Nationalmannschaft, für das offizielle Länderspiel-Fenster im März zu finden. Stattdessen reisen die Elitekicker in ein Trainingslager nach Australien. Da platzte selbst dem von Martin angeheuerten Nationaltrainer Anthony Hudson der Kragen. 

„Mir tun die Spieler leid“, sagte der britische Ex-Profi, der vor seinem Engagement in Neuseeland Trainer von Bahrain war, „sie haben keine Ahnung, worauf sie sich vorbereiten sollen. Es gibt keinen Plan. Jedes Mal, wenn wir uns treffen, fangen wir bei Null an. Wir wollen uns für die Weltmeisterschaft qualifizieren und müssen spielen – zwei Partien in jedem der fünf Länderspiel-Fenster.“ 

Die Achtungserfolge bei der WM 2010 in Südafrika (unter anderem 1:1 gegen Italien) sind nur noch ein ferner Traum; die All Whites liegen auf Platz 150 der Fifa-Weltrangliste. 

Keine Unterstützung für die Wellington Phoenix

Auch die Wellington Phoenix hatten sich mehr Unterstützung vom NZF erhofft, als ihnen der australische Verband im vergangenen Oktober mitteilte, ihre Zeit in der A-League könnte abgelaufen sein. Grund dafür war die Unzufriedenheit der FFA mit den niedrigen Zuschauerzahlen im Westpac-Stadion und vor den Fernsehgeräten, auch die Mitgliederzahlen ließen zu wünschen übrig. 

Die FFA hat nun zwar den Antrag der Phoenix auf eine Lizenzverlängerung um zehn Jahre abgelehnt, wird aber in vier und sieben Jahren über ihren weiteren Verbleib in der A-League befinden. Während der vier Monate der Ungewissheit hat der neuseeländische Verband geschwiegen, so als wäre es ihm egal, ob sein einziger Profiklub in einer konkurrenzfähigen Liga spielt oder nicht. 

Dafür ist Andy Martin, der zum Transfer-Waterloo jegliche Stellungnahme verweigerte, ganz aus dem Häuschen, dass jetzt die Begegnungen der höchsten Amateurklasse Woche für Woche im Fernsehen übertragen werden. „Auf welchem Planeten lebt Martin eigentlich?“, fragt die Sunday Star Times und beantwortete die Frage selbst, indem sie den Generalmanager in „Martian“ umbenannte: Marsmensch. Auf dem Mars gebe es auch keinen Internet-Anschluss.


 


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