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08.05. Kokain-Skandal

Drogensucht ist Alltag in der Rugby League
Jedes Mal, wenn ein Skandal die Rugby-Variante Rugby League in Australien oder Neuseeland erschüttert, wundert sich niemand wirklich. Die einen schütteln den Kopf, die anderen brechen in ungläubiges Gelächter aus. Schon wieder?! Ja, wieder mal. Denn so rasant die Sportart ist, bei der eine Mannschaft aus 13 Spielern besteht, so schnell folgen Hiobsbotschaften von Fehltritten fern des Feldes aufeinander. 

Böse Zungen behaupten, im Sport Rugby League kämpften nicht bloß weniger Spieler um den Ball als bei der weltweit bekannteren Sparte Rugby Union, wo 15 Akteure ein Team bilden, sondern die Profis hätten auch weniger Hirn. 

Wobei Ausnahmen natürlich die Regel bestätigen, wie aktuelle und ehemalige Mitglieder der All Blacks, Neuseelands berühmter Weltmeister-Truppe, immer wieder beweisen. Erst kürzlich feuerte der französische Topklub Racing 92 Paris Ex-All-Black Ali Williams, nachdem der 77-fache Nationalspieler in der Nähe des Triumphbogens erwischt worden war, als er Kokain kaufte.

Der Stoff, der dem Verband Albträume beschert

Das ist der Stoff, der die Rugby Union eher selten ins Gerede bringt, aber der Rugby League regelmäßig Alpträume beschert. Ob nun Kokain oder Marihuana, Schmerzmittel hinuntergespült mit Energie-Drinks, die Spieler schnupfen, kiffen und schlucken, als gäbe es kein Morgen. Meistens beginnt der Drogenkonsum mit übermäßigem Alkoholkonsum, egal ob nun aus Freude über einen Sieg oder Frust über eine Niederlage. 

Bei den Kiwis, so der Spitzname von Neuseelands Rugby-League-Nationalteam, war der Kummer am vergangenen Wochenende besonders groß, denn sie kassierten in Canberra gegen Australiens Kangaroos eine böse 12:30-Klatsche. 

Einige neuseeländische Profis waren offenbar so deprimiert, dass sie nach dem mitternächtlichen Abendessen auf Sauftour gingen. Das Ende vom Lied war, dass die Polizei einen Einheimischen festnahm, der, wie die Aufnahmen von Überwachungskameras zeigen, um 5 Uhr früh zwei Männern Kokain verkauft haben soll: Kiwis-Kapitän Jesse Bromwich und Teamkollege Kevin Proctor sollen das Pulver mithilfe von aufgerollten Geldscheinen vom Handy des Dealers inhaliert haben. 

Kiwis-Duo aus dem WM-Aufgebot gestrichen

Das Management des Teams erfuhr erst aus den Medien von dem Vorfall. Bromwich trat umgehend von seinem Amt als Kapitän und aus dem Mannschaftsrat seines Arbeitgebers Melbourne Storm zurück, Proctor als stellvertretender Kapitän der Gold Coast Titans, und gestern flog das Duo aus dem Kader für die Weltmeisterschaft, die vom 26. Oktober bis 2. Dezember in Australien, Neuseeland und Papua-Neuguinea stattfinden wird. 

Da halfen auch die wortreichen Entschuldigungen der reuigen Sünder nicht. „Ihr Verhalten steht in totalem Widerspruch zu den Werten, die wir vertreten“, sagte Kiwis-Coach David Kidwell, der darauf hofft, dass der Rest des Teams die Suspendierung als Warnung versteht, „es ist ein totaler Vertrauensbruch.“ Bromwich, der ankündigte, er werde sich in Psychotherapie begeben, war zuvor bereits von seinem Verein für zwei Liga-Spiele gesperrt worden. 

Vorwürfe der australischen Klubs entbehren nicht der Ironie

Die Vorwürfe der betroffenen australischen Vereine in Richtung des neuseeländischen Verbandes New Zealand Rugby League (NZRL) entbehren jedoch nicht der Ironie. Storm-Manager Dave Donaghy verlangte „Antworten“. Gold-Coast Manager Graham Annesley meinte beispielsweise, der Verband habe seine Aufsichtspflicht vernachlässigt, indem er den Spielern erlaubte, bis ins Morgengrauen auszugehen: „Wir erwarten, dass sie beaufsichtigt werden, wenn sie sich außerhalb des Umfelds des Klubs aufhalten.“ 

Ausgerechnet die Gold Coast Titans, die 2013 von einem Kokain-Skandal erschüttert wurden. Und die Melbourne Storm, die im vergangenen Jahr acht Spieler bestraften, weil sie im Trainingslager den Zapfenstreich überzogen. Ganz davon abgesehen, dass die Mehrzahl der neuseeländischen Nationalspieler bei australischen Klubs unter Vertrag steht.

Die Warriors aus Auckland sind die einzige Mannschaft aus dem Land der Kiwis, die – quasi als Gast – in der australischen National Rugby League (NRL) mitspielen dürfen. Die denkt angesichts der nicht enden wollenden Serie von Drogendelikten jetzt ebenfalls über Konsequenzen nach.

(Copyright: Sissi Stein-Abel)



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