13.12. Kauri-Krankheit

Den uralten Regenwäldern des Nordens droht der Tod
AUCKLAND. Die Waitakere Ranges sind ein grünes Paradies westlich von Auckland. Jährlich eine Million Menschen, vornehmlich Einheimische, die dem Lärm der größten Stadt Neuseelands entkommen möchten, aber auch Touristen, bevölkern die Wanderwege, die sich durch die Regenwälder vor den Toren der Metropole schlängeln. 

Doch mit dieser Art der Erholung ist es vorerst vorbei. Der Stadtrat hat den Regionalpark zwar nicht zum Sperrgebiet (rahui) erklärt, wie der lokale Maori-Stamm Te Kawerau a Maki gefordert hatte, aber Bürgermeister Phil Goff und die Mehrheit der Abgeordneten stimmten für die Schließung von mittlerweile 42 Wanderwegen, damit die Wälder heilen können.

Während Baumfarne und andere Pflanzen nämlich noch üppig wuchern, droht dem Kauri (Agathis australis), auf Deutsch auch: Kauri-Fichte, der Exitus. „Der Kauri ist ein Symbol unserer Wälder, und wir müssen alles tun, damit sie überleben“, sagte Goff, während Edward Ashby, der Manager des Maori-Stamms, hofft, „dass die Leute das ‚rahui‘ respektieren und die Wälder nicht betreten“.

Der Zustand der einzigartigen Riesen des Nordens, die im Lauf der Jahrhunderte die unteren Äste verlieren und völlig astfreie Stämme haben, hat sich dramatisch verschlimmert. Mindestens ein Fünftel dieser Nadelbäume, die einzige Spezies der Araukarien in Neuseeland, ist von einer nach dem Verursacher-Bakterium Phytophthora taxon Agathis (PTA) benannten Krankheit – auf Englisch: Kauri Dieback Disease – befallen. Innerhalb von fünf Jahren ist die Infektionsrate von acht auf neunzehn Prozent gestiegen und am stärksten dort, wo Menschen marschieren.

Das Phänomen wurde in der 1970er Jahren erstmals auf Great Barrier Island, einer Insel nordöstlich von Auckland im Hauraki Gulf, beobachtet und erfasste dann sukzessive die Wälder westlich und nordwestlich von Auckland. Seit der Jahrtausendwende sind tausende dieser Bäume mit den weit ausladenden buschigen Kronen eingegangen. 

2008 identifizierten Wissenschaftler ein bis dahin unbekanntes Bakterium, das den temporären Namen Phytophthora taxon Agathis (PTA) erhielt, als Auslöser der Krankheit. Man geht davon aus, dass es sich wie ein Pilz verbreitet. Mikroskopisch kleine Sporen im Boden infizieren die Wurzeln des Baums, die den Kauri in der Folge mit verunreinigter Nahrung versorgen. 

Das führt zur Gelbfärbung des Laubs, Blattverlust, Ausdünnung der Krone, Absterben von Ästen und Narben am Ansatz des Stammes, durch die Harzbalsam ausläuft. Auch ohne dieses „Ausbluten“ (Gummose) sterben die Bäume, weil die an oder direkt unter der Oberfläche liegenden empfindlichen Wurzeln verfaulen.

Ist ein Baum, egal ob jung oder alt, erst einmal infiziert, gibt es keine Rettung, denn bis heute haben die Wissenschaftler kein Heilmittel gefunden. Um das Massensterben aufzuhalten, wurden an den Wanderwegen schon vor einigen Jahren Reinigungsstationen mit Bürsten und Desinfektionsmitteln eingerichtet. 

Auf Schildern wurden Wanderer und Radfahrer aufgefordert, vor und nach dem Besuch der Wälder ihre Schuhe und Reifen zu reinigen, die Wege nicht zu verlassen und nicht auf den Wurzeln der Kauri herumzutrampeln. Doch die Appelle verhallten größtenteils ungehört. 

Aus diesem Grund beschlossen die Maori, den kompletten Regionalpark zu sperren. Solch einen Bann fand der Stadtrat jedoch problematisch, weil eine Haupt- und mehrere Stichstraßen hinunter zu den populären schwarzen Sandstränden Piha, Karekare und Bethell’s die Waitakere Ranges durchschneiden, und entlang der Straßen stehen zahlreiche Wohnhäuser.

Sperrschilder an Spazier- und Wanderwegen in den Waitakere Ranges

Jetzt aber bringen Ranger der Naturschutzbehörde DOC (Department of Conservation) Sperrschilder an den Spazier- und Wanderwegen an und installieren zusätzliche Reinigungsstationen an den weiterhin zugänglichen Pfaden. 

„Diese drastische Maßnahme ist das einzige, was wir tun können, solange kein Heilmittel gefunden ist“, sagt Nick Beveridge von der Naturschutz-Organisation Forest & Bird. „Wenn wir jetzt nichts tun, ist von diesem Park bald nichts mehr übrig, weil so viele Arten vom Kauri abhängen.“ Die Kauri sind die Überständer in diesen vier- bis fünfschichtigen subtropischen Regenwäldern. Die Aufsitzerpflanzen in den riesigen Baumkronen, die dem Baum den Lebenssaft nicht entziehen, bieten seltenen Vogelarten reiche Nahrung. Am Boden huschen Streifenkiwis durch die Nacht.

Die Waitakere Ranges sind am stärksten von der bakteriellen Killerkrankheit betroffen, aber auch im berühmten Waipoua Forst weiter droben in der Region Northland geht die Angst um. Hier stehen Tane Mahuta (Gott des Waldes), mit 52 Metern der höchste Kauri Neuseelands, und Te Mahuta Ngahere (Vater des Waldes), mit 14 Metern Stammumfang der dickste Kauri. 

Wie alt diese Riesenbäume sind, weiß niemand genau; die Schätzungen reichen von 1.200 bis 2.000 Jahren. Bäume unter 100 Jahren gelten als jung. Da sie nur noch im Norden der Nordinsel Neuseelands vorkommen und extrem langsam wachsen, stehen sie unter Naturschutz und dürfen nur noch zu rituellen Anlässen der Maori geschlagen werden, beispielsweise zur Herstellung eines Kriegs- oder anderen großen Kanus (waka).

Für die Maori haben die Kauri seit jeher eine enorme kulturelle Bedeutung. Die Bäume sind die Verbindung zu der spirituellen Welt ihrer Vorfahren. 

Vor der Ankunft der europäischen Siedler Anfang des 19. Jahrhunderts bedeckten Kauri-Wälder eine Gesamtfläche von 1,2 Millionen Hektar (12.000 Quadratkilometer). Die unkontrollierte Abholzung endete erst 1972, als die damalige Labour-Regierung ein Wahlversprechen einlöste. 

Von der einstigen Pracht sind lediglich 80.000 Hektar (800 Quadratkilometer) übriggeblieben. Das entspricht 6,6 Prozent der ursprünglichen Fläche; manche Quellen sprechen gar von nur vier Prozent. Kein Wunder also, dass angesichts der Ausbreitung von PTA jetzt Schluss ist mit lustig.

(Copyright: Sissi Stein-Abel)
 

 

 

 

Kauri in Northland

Bild links: Aussicht vom Besucherzentrum in den Waitakere Ranges

Tane Mahuta, mit 52 Metern der höchste Kauri Neuseelands, im Waipoua Forest. Sein Alter wird auf 1.200 bis 2.000 Jahre geschätzt.



Bild links: Kauri sind monozöisch, d.h. weibliche und männliche Pollen- und Samenzapfen wachsen auf demselben Baum. Die männlichen Zapfen sind länglich, die weiblichen rund.












Stamm eines jungen Kauri. Ein 100 Jahre alter Kauri gilt als jung. Im Lauf der Jahrhunderte verlieren die Bäume die unteren Äste und der Stamm wird narbenfrei glatt.


Bild links: Straße durch den Waipoua Forest an der Westküste von Northland.





Mehr Informationen über Kauri in meinem Naturbuch über Neuseeland: Naturwunder Neuseeland - Traumlandschaften, Tiere und Pflanzen eines bedrohten Paradieses







Bild links: Waitakere Ranges


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