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28.02. Rugby-Ehre

Rufschädigung der All Blacks aus der Ferne
CHRISTCHURCH. Wein, Weib und Gesang, das süße Leben in Paris – und der Ruf der All Blacks ramponiert. Es ist völlig unerheblich, dass weder Dan Carter noch Ali Williams das Trikot der legendären Rugby-Nationalmannschaft Neuseelands längst an den Nagel gehängt haben, um auf ihre alten Tage in Frankreich noch einmal groß abzusahnen. 

Am anderen Ende der Welt, wo Rugby Teil der nationalen Identität ist, gilt der Slogan: Einmal All Black, immer All Black. Das beinhaltet die Verpflichtung, dem exzellenten Ruf des dreifachen Weltmeister-Teams gerecht zu werden, ganz besonders im Ausland, wo Dutzende Rugby-Profis aus dem Land der Kiwis gutes Geld verdienen. 

Dass innerhalb von acht Tagen gleich zwei hochdekorierte Ex-Nationalspieler in der Gegend um den Triumphbogen straffällig geworden sind, hat in der Heimat doch ein gewisses Entsetzen und einige vernichtende Kommentare in den Medien ausgelöst, mit dem Tenor, das hochgeschätzte Erbe der All Blacks sei besudelt worden. 

Dan Carters Trunkenheitsfahrt, Ali Williams' Kokainkauf

Die Alkoholfahrt von Dan Carter, der mit rund einem Promille auf den Champs Elysées erwischt wurde, hatte noch eher ungläubiges Staunen ausgelöst, weil der Weltrugbyspieler des Jahres 2015 als grundsolide gilt. 

Aber die Festnahme von Williams, zusammen mit dem australischen Ex-Nationalspieler James O’Connor, wegen des angeblichen Kaufs von etwas mehr als zwei Gramm Kokain war dann doch des Schlechten zu viel. Das Mitglied der Weltmeister-Mannschaft von 2011 verbrachte eine Nacht in Polizeigewahrsam und sieht nun einer Anklage wegen Drogenbesitzes entgegen. Die Höchststrafe dafür liegt bei einem Jahr Gefängnis und 3750 Euro Geldstrafe.

Der 35-jährige Williams, der wie Carter bei Racing 92 in der französischen Hauptstadt unter Vertrag steht, soll zu zwei Drogenhändlern in ein Auto gestiegen sein und Kokain im Wert von 200 Euro gekauft haben. Der 26 Jahre alte O’Connor, der in Toulon an der Côte d’Azur aktiv ist, stand offenbar Schmiere. 

Die Profis hatten das spielfreie Wochenende in der Top-14-Meisterschaft dazu genutzt, um in Paris um die Häuser zu ziehen, und sollen zum Zeitpunkt ihrer Festnahme gegen 3 Uhr nachts – in der Nacht von Samstag auf Sonntag - betrunken gewesen sein. Racing 92 suspendierte Williams und sagte in einem Statement: „Wenn die Ermittlungen die Vorwürfe bestätigen, dann wäre dies nicht nur ein Verbrechen, sondern es würde auch unseren Verhaltenskodex brechen.“

Keine Kinder von Traurigkeit

Sowohl Williams als auch O’Connor sind nicht als Kinder von Traurigkeit bekannt. Weil er außerhalb des Spielfeldes immer wieder aus der Rolle fiel, ließen die australischen Wallabies O’Connor nach 44 Länderspielen fallen und er zog 2013 für eine Saison nach London. Seit 2015 spielt er für Toulon. Williams, der zwischen 2002 und 2012 bei den All Blacks 77 Mal zum Einsatz kam, gab in einem Interview 2013 zu, er sei in jungen Jahren ein Quartalssäufer gewesen. Dann jedoch habe er sich fragen müssen: „Will ich ein Partyhengst sein und Spaß haben oder ein professioneller Rugby-Spieler?“ 

Als „Comical Ali“ gefiel sich der 2,02-Meter-Mann in der Rolle des Klassenclowns, wobei nicht jeder seine Witze bei Pressekonferenzen lustig war, sondern eher ein Zeichen schlechter Manieren. Als 21-Jähriger mischte er Viagra-Tabletten ins Bier seiner Teamkollegen und Trainer in Auckland. 2007 wurde er von seinem Klub, den Blues, nach einem nächtlichen Saufgelage aus Südafrika nach Hause geschickt.

Dass er eine Woche zuvor mit Dan Carter unterwegs war, bevor dieser mit Alkohol am Steuer erwischt wurde, entbehrt nicht der Ironie. Die beiden sind seit jeher eng befreundet. Carter gilt alles andere als trinkfest, sondern als Saubermann schlechthin. 

Carter verliert Sponsorenvertrag mit Land Rover

Bei seiner verhängnisvollen Tour in Paris war er nicht nur alkoholisiert, sondern fuhr auch zu schnell und hatte keinen Führerschein bei sich. Der 34 Jahre alte Spielmacher bezog umgehend Stellung und sagte: „Es gibt keine Entschuldigung, es war eine riesige Fehleinschätzung. Ein Glück, dass niemand zu Schaden gekommen ist.“

Da er ohnehin verletzt war, erlaubte ihm Racing 92, mit seiner Familie nach Neuseeland zu reisen. Kaum in der Heimat angekommen, verlor der einstige Traum aller Schwiegermütter seinen lukrativen Sponsoren-Vertrag mit Land Rover. „Ich habe volles Verständnis dafür“, sagte Carter, der die All Blacks 2015 zum dritten Weltmeistertitel geführt hatte. „Land Rover hat null Toleranz für Trunkenheit am Steuer.“ 

In Neuseeland ist es allerdings eine Art Volkskrankheit. Und passend zu Williams‘ Kokain-Geschichte erklärte Premierminister Bill English, warum die Regierung so vielen ausländischen Facharbeitern Visa erteilt: „Weil die meisten neuseeländischen Arbeitslosen beim Drogentest durchfallen.“ Der bevorzugte Stoff hier ist allerdings nicht Kokain, sondern Crystal Meth.

(Copyright: Sissi Stein-Abel)

 


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