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29.10. Rugby-Tournee

Ein kleiner Vorgeschmack auf die Weltmeisterschaft
Auch wenn’s im Gebirge hin und wieder schneit, so ist der Winter am anderen Ende der Welt doch vorbei. Und mit des Frühlings blauem Band auch der Wintersport. Dazu gehört in Neuseeland, wie auch in anderen Ländern auf der Südhalbkugel, Rugby. Denn im Sommer werden in den unteren Ligen dieselben Rasenflächen für Cricket und Fußball benötigt.

Ruhe bekommen die Rugby-Profis trotzdem nicht. Die Nationalteams aus Neuseeland, Australien, Südafrika und Argentinien sind zu ihren traditionellen Jahresende-Tourneen – den „Northern Tours“ – nach Europa gereist, und in diesem Jahr sind die Spiele in England, Wales, Irland, Frankreich, Italien und Schottland noch interessanter als sonst, weil in einem Jahr (2. November) das Finale der Weltmeisterschaft in Japan angepfiffen wird.

Da geht es an den vier kommenden Wochenenden (3. bis 24. November) für die weltbesten Mannschaften nicht nur ums Prestige, sondern auch darum, eine Ansage für den Titelkampf 2019 zu machen und die Muskeln spielen zu lassen. 

Nicht von ungefähr haben Neuseelands All Blacks nach dem am vergangenen Samstag in Yokohama ausgetragenen und sportlich unbedeutenden dritten Bledisloe-Cup-Duell mit Australiens Wallabies (37:20) einen fliegenden Personalwechsel vorgenommen: Die 22 Topstars des 32er-Kaders jetten/jetteten am Mittwoch nach London, wo die All Blacks am 10. November auf England treffen, und 19 Akteure aus der zweiten Reihe, darunter zehn Neulinge, sind nach Tokio gereist, wo an diesem Wochenende ein Freundschaftsspiel gegen Japan auf dem Programm steht. 

Schaden für die Marke und das schwarze Trikot

Die zweite Garnitur des dreifachen Weltmeisters ist sicherlich nicht der Gegner, den sich der WM-Gastgeber erträumt hatte. Die PR-Aktion hat auch in der Heimat einige Kritiker auf den Plan gerufen; sie warnen, mit solchen Episoden und der Nominierung von insgesamt 51 Spielern werde der Marke All Blacks Schaden zugefügt und das begehrte schwarze Trikot entwertet. 

Trainer Steve Hansen rechtfertigt die Maßnahme mit der Notwendigkeit, seine Stars zu schonen. „Eigentlich bräuchten sie zwischen den Spielzeiten 16 Wochen Pause“, sagt er und verweist auf die Verletzungs- und Formprobleme der Engländer, „die elf Monate durchspielen“.

Auch mit Blick auf die abgelaufene Saison in der südlichen Hemisphäre liegt Hansen goldrichtig. Südafrika hat unter dem neuen Trainer Rassie Erasmus kräftig am Lack der All Blacks gekratzt, und für die Nummer eins der Rugby-Welt gilt es, gegen die härtesten Widersacher neue Varianten zu testen, um sie auf Armlänge zu halten. 

Zumal die Springboks, so der Spitzname der Südafrikaner, bei der WM in Japan erster Gruppengegner Neuseelands sein werden; der Verlierer trifft im Viertelfinale höchstwahrscheinlich auf Irland, die gefürchtete Nummer zwei der Weltrangliste. 

Gemischte Gefühle gegenüber Irland

Den Iren begegnen die All Blacks mit gemischten Gefühlen, beendeten sie doch vor zwei Jahren die Siegesserie der 18 Mal ungeschlagenen Neuseeländer mit einem 40:29-Triumph in Chicago, dem ersten Sieg gegen den legendären Gegner in 111 Jahren. Solch ein Spitzenteam hält man sich in der ersten Runde der K.o.-Phase besser vom Leib, auch wenn die Iren in der Six-Nations-Meisterschaft der besten europäischen Mannschaften (Sieger Wales) nicht einmal das Finale erreichten.

Die Südafrikaner wiederum haben den All Blacks, die die Weltrangliste seit neun Jahren anführen, in den vergangenen Wochen einen Zacken aus der Krone gebrochen. In der Rugby Championship, der Meisterschaft der Südhalbkugel-Nationalteams, gewannen sie Mitte September gar in der Höhle des Löwen, in Wellington, mit 36:34, und nur weil Trainer Erasmus in den letzten zehn Minuten fünf Auswechslungen vornahm, was den Spielfluss entscheidend störte, mussten sie sich bei der Revanche in Pretoria drei Wochen später in letzter Sekunde 30:32 geschlagen geben. 

All Blacks am stärksten mit zwei Spielmachern

All-Blacks-Coach Hansen ließ sich dadurch jedoch nicht aus der Ruhe bringen. „Für die Weltmeisterschaft kann man daraus keine Schlüsse ziehen“, sagt er, „dazu ist Japan noch viel zu weit weg.“ 

Sehr wohl aber hat Hansen bereits erkannt, dass sein Team am stärksten ist, wenn er mit zwei Spielmachern agiert, dem einen auf der klassischen Position (Nummer zehn), dem anderen ganz hinten als Fullback (Nummer 15), der bei Ballbesitz sofort zum Angriff bläst. Es ist eine aus der Not geborene Taktik, die der Coach wählte, weil sein gesetzter Spielmacher Beauden Barrett eine Jekyll & Hyde-Mentalität entwickelt hat: einmal Weltklasse, dann, vor allem beim Kicken, wieder weit unter Form.

An einem schwachen Tag kann Barrett nach hinten rücken, weil er über den Raketenantrieb verfügt, der für diese Position nötig ist, und die Kickpflicht dem Alternativ-Spielmacher übertragen.

Trainerwechsel verhilft Springboks zu neuem Elan

Dass Südafrika in Windeseile von einer Lachnummer zum ernstzunehmenden Titelkandidaten mutierte, ist dem Trainerwechsel zu verdanken. Rassie Erasmus übernahm den Job des gefeuerten Allister Coetzee am 1. März, und es ist ihm gelungen, den Spielern den Glauben an sich selbst zurückzugeben. Und er hält sich nicht an die Quotenpolitik des mittlerweile geschassten Sportministers, nach der fünf der 15 Spieler auf dem Platz schwarz und weitere drei gemischtrassig („farbig“) sein müssen. 

Unter Erasmus spielen nicht die acht besten schwarz/farbigen, sondern die besten 15 Spieler. 

Der Kapitän, Siya Kolisi, ist schwarz, seine Frau weiß, und er sagt: „Ich spiele für alle Rassen auf den Rängen, und wir müssen so spielen, dass ganz Südafrika stolz auf uns ist.“ Das ist nicht nur gut für den Rugbysport in Südafrika, der historisch von Weißen dominiert wird, sondern für das Spiel mit dem ovalen Ball weltweit.



Die wichtigsten Spiele der Herbsttourneen:

3. November: England – Südafrika, Irland – Italien, Wales – Schottland, Japan – Neuseeland.

10. November: England – Neuseeland, Wales – Australien, Irland – Argentinien, Frankreich – Südafrika.

17. November: Italien – Australien, England – Japan, Schottland – Südafrika, Irland – Neuseeland, Frankreich – Argentinien.

24. November: Italien – Neuseeland, Schottland – Argentinien, England – Australien, Wales – Südafrika.

Kompletter Spielplan: https://www.autumn-internationals.co.uk/2018/



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