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30.10. Königlicher Besuch

Harry und Meghan - zwei "ganz normale Leute"
Falls sie nicht gerade auf dem Weg zum Flughafen steckenbleiben und ihre Maschine verpassen, dann freuen sich Touristen aus Australien, China und Indien, wenn es im neuseeländischen Frühling stürmt und schneit. In ihrer Heimat nicht an solche Winterfreuden gewöhnt, bauen sie Schneemänner, liefern sich Schnellballschlachten und posieren bei Eiseskälte in Flipflops für die Nachwelt. 

Ein, zwei Tage später ist es dann wieder Sommer, denn das Land der Kiwis liegt nicht nur antarktisnah im Südpazifik, sondern hat auch einen subtropischen Norden, der so schön grün ist, weil es dort ziemlich viel regnet. Für viele Neuseeländer ist das Wetter ohnehin kein Thema, auch wenn sie ununterbrochen darüber reden: Sie tragen im Sommer wie im Winter kurze Hosen.

Der Herzog und die Herzogin von Sussex, besser bekannt als Prinz Harry und Meghan Markle, sind natürlich anders gestrickt. Deshalb konnte das frischgebackene Ehepaar so manche Aktivität auf der letzten Station seines ersten offiziellen Staatsbesuchs nicht so wirklich genießen, und die Bilder, die um die Welt gingen, waren vermutlich nicht die erhoffte Werbung für den Tourismus in „Mittelerde“, dem Land der Orks und Hobbits. 

Vier Tage Neuseeland, drei Tage kalter Wind und Regen

Vier Tage Neuseeland, drei Tage kalter Wind und Regen – und das nach zwei Wochen frühsommerlichen Temperaturen und ausdauerndem Sonnenschein. Doch während dieses Hochs schüttelten die Royals Hände in Australien, Fidschi und Tonga. 

Die Neuseeländer sahen in den täglichen Fernsehberichten Meghans Babybauch wachsen, ehe das britische Turteltaubenpaar in Wellington landete und sich bei Premierministerin Jacinda Ardern nach deren vier Monate alter Tochter Neve erkundigte. Um die tägliche Demonstration des Mutterglücks nicht zu übertreiben, musste Neuseelands „First Baby“ aber zu Hause bleiben.

Vielleicht war es ja auch etwas verwegen, Ende Oktober ein Picknick an einem abgelegenen orangefarbenen Strand im Abel-Tasman-Nationalpark, dem Totaranui Beach, zu arrangieren. Die Golden Bay an der Nordwestküste der Südinsel hat zwar stets mit die meisten Sonnenstunden im Land, aber der richtige Sommer ist noch weit entfernt. 

Und so kuschelten sich Harry und Meghan unter einem riesigen Regenschirm aneinander, und der 34-jährige Prinz, der schon bei seinem Solobesuch im Mai 2015 – fast schon Winteranfang - eingeseift worden war, nahm es, wie üblich locker. „Die Wettervorhersage war viel schlechter“, sagte er, „der Regen ist ein Segen und ein Beweis für unsere Verbindung mit dem Land.“ 

Geplantes Strand-Picknick im Partyzelt

Das Picknick mit Tee und Brownies fand jedoch in einem Partyzelt statt, und Meghan sorgte dafür, dass die draußen wartenden und bibbernden Kinder mit Kuchen und Süßigkeiten versorgt wurden. Der Programmpunkt, einen Baum zu pflanzen, wurde gestrichen. Es wäre ein symbolischer Beitrag zu „The Queen’s Commonwealth Canopy“ gewesen, einer Initiative zur Rettung der Wälder weltweit.

Das gewaltigste Naturereignis verpasste das Paar: Als gestern ein im Zentrum der Nordinsel und zum Glück in 207 Kilometern Tiefe lokalsiertes Erdbeben der Stärke 6,2 auf der Momentmagnitudenskala (Mw) die Hauptstadt Wellington weiter im Süden, den Osten der Nordinsel (Napier, Hastings) und den Norden der Südinsel inklusive Christchurch erschütterte, befanden sich die beiden auf der vorletzten Station ihres Neuseeland-Besuchs in der Millionenstadt Auckland im Norden des Landes. 

Dort war – wie aufgrund der besonderen tektonischen Struktur auch im Epizentrum – nichts davon zu spüren. Nach einem weiteren Stopp in Rotorua und neuerlichen Maori-Nasenküssen fliegen Harry und Meghan am Donnerstag zurück in die Heimat.

Natur, Umwelt, mentale Gesundheit, Frauenrechte die großen Themen

Naturschutz, Umweltprobleme und mentale Gesundheit waren die wiederkehrenden Themen der mit 76 Terminen gespickten 16-tägigen Tournee des Enkelsohns der Queen und seiner amerikanischen Frau, die mehrere Reden über Frauenrechte hielt. Neuseeland gewährte den Frauen vor 125 Jahren, im September 1893, als erstes Land der Welt das Wahlrecht, da war das kämpferische neue Mitglied der britischen Monarchie am richtigen Ort. 

Die Begegnung mit Orks und andere gruselige Kreaturen in Wellington, wo die „Herr der Ringe“-Trilogie und „Der Hobbit“ produziert wurden, war ein Tribut an ihre Vergangenheit als Schauspielerin.

Doch Darstellungskunst war das meistgenannte Attribut, das die vielen tausend Fans, die Wind und Wetter widerstanden, um den Royals zuzuwinken, weder an Meghan noch an Harry nicht entdecken konnten. 

Die beiden seien „total natürlich“, „authentisch“ und „mit beiden Füßen fest auf dem Boden“, sagten jene, die mit ihnen am Rande von Veranstaltungen plauderten oder das Privileg hatten, sich ausführlich mit ihnen zu unterhalten. „Just normal people“. Ganz normale Leute, die Schulkinder in Auckland mit ihrer Teilnahme an einem Wettbewerb im Gummistiefel-Zielwerfen erfreuten. Passend zum Regenwetter, beide in Gummistiefeln.



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