Neuigkeiten 2019

Eine Art neues Leben
Wie auch in der Vergangenheit beschränke ich mich in dieser Rubrik auf Reportagen und Neuigkeiten aus Neuseeland. Nur gelegentlich berichte ich hier über persönliche Dinge.

Was ich jedoch öffentlich loswerden möchte, ist, dass meine Mutter kurz vor Weihnachten gestorben ist. Am 27. Januar wäre sie 94 Jahre alt geworden. Der Tod war eine Erlösung für meine Mutter. Nach einem Schlaganfall Anfang Oktober hatte sie kein Leben mehr, und es war immer ihr Wunsch gewesen, vor dem Sterben nicht lange bettlägrig zu sein. 

Ich bin froh, dass ich im vergangenen Jahr zwei Mal in Deutschland war und viel mit meiner Mutter unternommen habe. Sie war im März in ein Pflegeheim gezogen, wo es ihr nicht wirklich gefiel, aber körperlich erholte sie sich dort und raste mit ihrem Rollator durch den Ort. Sie war braungebrannt und fit, musste kaum Medikamente einnehmen.

Ich war zur Beerdigung in Deutschland, sie fand am 9. Januar in meinem Heimatort Gingen/Fils statt, und habe 14 Tage lang den deutschen Winter erlebt. Das hatte ich ja seit meiner Auswanderung Anfang 2004 vermieden - und ich muss sagen: Es ist nicht mein Ding. Wo ich wohne, haben wir ja so gut wie nie Schnee und auch kaum mal Temperaturen unter null Grad. Mein Haus ist zwar nicht so warm wie einst meine Wohnung in Ulm, aber dafür kann ich hier im Winter oft in kurzen Hosen den Berg hochmarschieren.

Nun fühle ich mich umso mehr hin- und hergerissen: Will ich im Rentenalter wirklich nach Deutschland zurück oder nicht? Ich bin über viele Dinge betrübt, die in Neuseeland, diesem selbsternannten Land der Fairness und Gleichbehandlung, vor sich gehen, ganz besonders der Rentenbetrug, die Diskriminierung von Ausländern und die Umweltzerstörung. Aber Deutschland ist - vom Winter mal abgesehen - sehr teuer geworden, die Krankenversicherung wäre ein riesiges Problem für mich, ich habe eine Rentenlücke. Hier bin ich relativ zuversichtlich, dass ich finanziell zumindest überleben kann.

Meine besten Freunde habe ich auch 15 Jahre nach der Auswanderung noch immer in Deutschland. Einige dieser Freunde kann ich besuchen, wenn ich in Deutschland Urlaub mache. Aber es ist einfach nicht mehr dasselbe, nach Deutschland zu reisen, ohne die meiste Zeit in meinem Elternhaus zu verbringen und von dort aus Ausflüge zu machen. Ich musste schon im August/September in alternativen Unterkünften übernachten, weil meine Brüder und ich das Haus verkauften, und es war nicht immer einfach, die Termine zu koordinieren, um nicht nur in Appartements und Hotels absteigen zu müssen. 

Solange meine Mutter noch in ihrem Haus wohnte, konnte ich kommen und gehen, wann ich wollte, und so lange bleiben, wie ich wollte. Ich musste nie fragen, ob Platz für mich da war und ob ich willkommen war. Es war echtes Heimkommen, es war mein Zuhause, ich hatte mein Zimmer und all meine Sachen, die noch dort waren, und alle Dinge, die ich seit meiner Kindheit kannte. Das ist jetzt weg, und es ist ein seltsames Gefühl.

Trotzdem fühlte ich mich in Gingen wohl, als ich nach der Beerdigung zwei Nächte im Gasthof Filseck übernachtete, bevor ich zu Freunden nach Ulm weiterzog. Es war schön, einige meiner Freunde, die wenigen verbliebenen Freunde meiner Mutter, meine Brüder und anderen Verwandten sowie alte Nachbarn zu treffen. Der Anlass war traurig, hat mich jedoch mit einem wohligen Gefühl zurückgelassen.

Nach meiner Rückkehr nach Neuseeland begann ein neuer Lebensabschnitt. Ich lebe jetzt allein, mein Mann ist ausgezogen, nachdem wir uns schon vor einigen Jahren als Paar getrennt, aber aus finanziellen Gründen als WG weiterhin zusammengelebt hatten. Wir kommen noch immer gut miteinander klar, stehen in regelmäßigem Kontakt und treffen einander. Seit der räumlichen Trennung habe ich keine Kopfschmerzen mehr. Es tut mir zwar weh, dass ich zu Hause nur noch mit meinen Plüschtieren reden kann, aber ich genieße die positiven Aspekte und die Freiheit des Alleinlebens. 





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