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03.04. Erster Flug hebt ab

Der erste Rückholungsflug ist in der Luft
Der erste Rückholungsflug mit gestrandeten deutschen Urlaubern ist heute, Freitag, eine Woche, nachdem die neuseeländische Regierung die Aktion nach einem Lufthansa-Flug mit 370 Passagieren gestoppt hatte, aus Neuseeland abgeflogen. Eine Boeing 777-300 von Air New Zealand mit einem Fassungsvermögen von 342 Plätzen hob am Nachmittag um 16:30 Uhr Ortszeit (5:30 Uhr MEZ) in Auckland ab. Der Flug NZ 1960 geht über Vancouver, wo die Passagiere nicht aussteigen dürfen, aber die Crew (vier Piloten und zwölf Crew-Mitglieder) gewechselt wird, und landet am Samstagmorgen in Frankfurt/Main.

In den kommenden Tagen werden kontinuierlich Flüge ab Auckland und Christchurch, die vom Auswärtigen Amt und der Deutschen Botschaft in Wellington organisiert werden, rund 12.000 gestrandete deutsche Urlauber in die Heimat zurückbringen. „Wir freuen uns, dass wir der Bundesregierung helfen können, ihre Bürger sicher nach Hause zu bringen, und unsere Teams haben einen Plan mit täglichen Flügen bis zum kommenden Mittwoch erstellt, und es werden weitere folgen“, sagte David Morgan, einer der zahlreichen Manager der Airline. 

Hochgerechnet auf die Zahl der Deutschen und vorausgesetzt, die Maschinen sind immer vollbesetzt, sind mindestens 35 Flüge nötig, um alle beim Auswärtigen Amt registrierten Heimkehrwilligen nach Deutschland zu fliegen.

Air New Zealand berichtet in seinem Newsletter, dass die Fluggesellschaft Anfragen zahlreicher anderer ausländischer Regierungen erhalten hat, die ihre Bürger ebenfalls ausfliegen wollen. Insgesamt sollen sich noch rund 100.000 Touristen in der Inselnation im Südpazifik aufhalten. Sie sind aufgrund stornierter Flüge, des Rückzugs der meisten Fluggesellschaften und schließlich der Verhängung einer Ausgangssperre vor neun Tagen nicht mehr nach Hause gekommen, darunter neben den 12.000 Deutschen auch 10.000 Briten.

Ich bin auch Gerüchten nachgegangen, nach denen Lufthansa keine Landeerlaubnis in NZ erhalten habe, um das ganze Geschäft Air NZ zuzuschustern. Habe sowohl mit dem Außenministerium als auch dem Verkehrsministerium telefoniert, und die im Internet verbreitete Behauptung wurde als unhaltbar zurückgewiesen. Jedes Land könne die Airline wählen, die es wolle, so die Auskunft. 

Update 14. April 2020
Heute wurde die Rückholaktion aus Neuseeland beendet. 10.000 Deutsche und auch einige EU-Bürger wurden auf Flügen mit Air New Zealand und Lufthansa zurück in die Heimat gebracht. Wo der Rest der ursprünglich registrierten 12.000 Deutschen abgeblieben ist, kann zumindest numerisch nicht geklärt werden. Einige haben kommerzielle Flüge z.B. mit Qatar Airways genutzt, andere sind definitiv in Neuseeland geblieben - und viele von ihnen brechen eklatant die Lockdown-Regeln, indem sie in ihren Campervans fröhlich durch die Gegend gondeln anstatt an ihren Standorten zu bleiben, bis der Lockdown endet, und die Fahrzeuge nur zu essentiellen Fahrten zum Supermarkt und zum Tanken zu bewegen.



Mein Text vom 2. April 2020:

Das Happy-End rückt näher

Angesichts ihrer immensen Zahl müssen sich viele Urlauber noch einige Zeit gedulden, aber die Zeit des bangen Wartens und der Ungewissheit nähert sich für mehr als 12.000 in Neuseeland festsitzende Deutsche dem Ende. Neuseelands Regierungschefin Jacinda Ardern gab gestern bekannt, dass Touristen während der Ausgangssperre im Land zu den beiden internationalen Flughäfen in Auckland und Christchurch fahren oder gar fliegen dürfen, wenn sie ein gültiges Ticket für einen Überseeflug vorlegen können. 

Außer den Deutschen sind auch 10.000 Briten und Besucher aus unzähligen Ländern in Neuseeland gestrandet, wo seit 26. März die zweithöchste Alarmstufe zur Bekämpfung der Covid-19-Pandemie herrscht. Tags darauf hatte die Regierung die Rückholungsflüge des Auswärtigen Amtes verboten, weil sie angesichts des zu erwartenden Runs auf die Flughäfen eine akute Gesundheitsgefahr für die Nation befürchtete. Gleichzeitig hatte sie den festsitzenden Ausländern erlaubt, jeden Tag einen Spaziergang zu machen und zum Einkaufen in den Supermarkt zu gehen.

Laut Deutscher Botschaft in Wellington starten die ersten Rückholungsflüge nach Frankfurt/Main voraussichtlich bereits heute, Freitag, mit Air New Zealand oder Lufthansa ab Auckland. Die ersten Flüge ab Christchurch sollen spätestens am Montag, 6. April, abheben. Knapp 11.000 Deutsche haben ihre Daten, vornehmlich den Aufenthaltsort, aktualisiert, davon mehr als 6.000 Personen für Flüge ab Auckland und rund 4.700 Personen für Flüge ab Christchurch. 

Jeder, der sich für das Rückholprogramm eingetragen hat, erhält nach und nach Mitteilung, wann er in die Heimat transportiert wird, und darf sich erst dann aus der Selbstisolation zum Flughafen begeben. Details zum sicheren Transport der Touristen werden erst noch ausgearbeitet. Am schnellsten können jedoch jene Personen ausreisen, die bereits jetzt in Flughafennähe logieren. Wer Covid-19-Symptome zeigt, hat keine Chance auf eine zügige Ausreise.



Die Mitteilung der Deutschen Botschaft in Wellington:

"Liebe Landsleute,

die wichtigste Information vorweg: Die Rückholflüge werden wieder aufgenommen.

Wie die meisten von Ihnen erfahren haben werden, erklärte die neuseeländische Premierministerin Ardern am heutigen Donnerstag Nachmittag, den 2. April 2020, in einer Pressekonferenz, dass Rückkehrflüge wieder möglich seien, namentlich für die Deutschen als größte Gruppe der hier Gestrandeten.

Damit starten die ersten Rückflüge – nach aktuellem Stand, voraussichtlich – wie folgt:

- die ersten Abflüge ab Auckland bereits ab morgen, am Freitag Nachmittag, den 3. April 2020 (mit Air New Zealand oder Lufthansa (wenn Sie auf dem ersten Air New Zealand-Flieger morgen Nachmittag sind, werden Sie kontaktiert! Bitte begeben Sie sich nur dann zum Flughafen!)

- die ersten Abflüge ab Christchurch ab Montag, den 6. April 2020, evtl. auch früher, mit Air New Zealand oder Lufthansa (auch hier: Sie werden kontaktiert! Bitte begeben Sie sich erst dann zum Flughafen!).

Ich freue mich sehr, dass das für Sie nervenaufreibende Warten und die belastende Ungewissheit nun ein Ende haben! Premierministerin Ardern hat Details zur konkreten Umsetzung angekündigt, u.a. zur Frage der Anreise zu den Flughäfen.

Eine wichtige Voraussetzung für die nun beginnende und hoffentlich zügige Durchführung der Ausreise von Ihnen allen haben Sie selbst in den letzten 24 Stunden geschaffen: Ich bin beeindruckt und stolz auf Sie, wie rasch und zahlreich Sie die von uns erst gestern Mittag erbetene Aktualisierung Ihrer Angaben in der Rückholdatei des Auswärtigen Amtes https://www.rueckholprogramm.de/ vorgenommen haben. Stand heute Nachmittag: knapp 11.000 von Ihnen aktualisierte Eintragungen; davon über 6.000 Personen für Flüge ab Auckland, ca. 4.700 Personen für Flüge ab Christchurch.

Für diejenigen, die diese Aktualisierung bisher noch nicht vorgenommen haben: Die gestrige Aktualisierungs-Bitte und -Anleitung ist meinem heutigen Brief nochmals angehängt.

Wie geht es nun weiter?

Alle diejenigen, die sich im Rückholprogramm eingetragen haben, werden nach und nach Ihre Mitteilung für Tag und Zeit Ihrer Ausreise erhalten: entweder ab Auckland oder ab Christchurch.

Ich möchte Sie aber noch ein letztes Mal um ein wenig Geduld und Verständnis bitten. Denn bei so vielen Eintragungen in unserer Rückkehrliste können nicht alle schon in den ersten Fliegern nach Hause reisen. Natürlich verstehe ich sehr gut, dass viele von Ihnen den Wunsch und die dringende Bitte haben, jetzt so schnell wie möglich auszureisen. Viele oder die meisten von Ihnen möchten bei den Ersten sein. Ich wäre dankbar, wenn Sie uns jetzt in der Berücksichtigung von Härtefällen und anderen eiligen Fällen vertrauen.

Bitte warten Sie daher, bis Sie die Information über den Ihnen zugeteilten Sitz in einem Rückholflug entweder der Lufthansa oder von Air New Zealand erhalten.

Auch sind zu dieser Stunde noch nicht alle Details zu der Frage geklärt, wie Sie zum Flughafen kommen (können/dürfen). Sie werden auch hierüber zeitnah informiert. Bitte sehen Sie daher zum jetzigen Zeitpunkt von Nachfragen zur Transportfrage ab.

Aus heutiger Sicht stellt sich diese Frage nicht für diejenigen, die sich ohnehin bereits ganz in der Nähe der beiden Flughäfen befinden (und die daher keine gesonderte Anreise im Sinne der Vorgaben der strengen COVID-19-Regeln der neuseeländischen Regierung zum Flughafen mehr unternehmen müssen). Dies dürfte nach unserer Kenntnis auf über die Hälfte von Ihnen zutreffen.

Ich muss Sie an dieser Stelle an einen Punkt erinnern, auf den wir Sie bereits seit einiger Zeit aufmerksam gemacht hatten: 
Eine Ausreise ist nach den heute aktualisierten Vorgaben der neuseeländischen Regierung derzeit nicht möglich,
- wenn bei Ihnen ein positiver COVID-19-Befund vorliegt (und Sie noch nicht genesen sind) oder
- wenn bei Ihnen Symptome von COVID-19 vorliegen oder
- wenn bei Ihnen das Ergebnis eines durchgeführten COVID-19-Tests noch aussteht oder
- wenn Sie in engem Kontakt standen zu einem möglichen/wahrscheinlichen/ bestätigten COVID-19-Fall oder
- Sie in den letzten 14 Tage im Ausland gereist sind.

Ich hoffe, dass ich Recht in der Annahme gehe, dass dies bei den meisten von Ihnen nicht der Fall ist und Ihre Ausreise daher nicht verzögert. Mehr Infos hierzu: www.covid19.govt.nz.

Zum Abschluss noch ein Wort zur Transparenz in der aktuellen Krise, die bei einigen oder vielleicht auch vielen von Ihnen ein Thema ist. Ich verstehe sehr gut, dass Sie gerne mehr Informationen (gehabt) hätten und möchte dazu Folgendes sagen:

Wir haben uns in den letzten Wochen stets intensiv bemüht, Sie zeitnah über die auf der Website der Botschaft veröffentlichten „Allgemeinen Hinweise der Botschaft Wellington zu COVID-19“ auf dem Laufenden zu halten. Wegen der Dynamik der Entwicklung geschah dies manchmal mehrfach pro Tag. Leider können wir nicht immer alle Unsicherheiten über Maßnahmen und Entscheidungen der neuseeländischen Seite auffangen. 

Auch haben wir es bewusst vermieden, und werden dies auch weiterhin tun, z.B. konkrete Zeitangaben zu Rückkehrflügen zu veröffentlichen, solange diese nicht hundertprozentig feststehen. Wir wollten und wollen auch weiterhin nicht zur belastenden Achterbahn der Gefühle beitragen. Und dennoch ist es passiert, wie Sie wissen, dass die bereits feststehenden ersten Rückkehrflüge von Air New Zealand plötzlich und kurzfristig wieder gestrichen wurden.

Das Wichtigste aber ist, dass wir nun, mit Ihrer Hilfe, Ihrer Ausreise einen wichtigen Schritt nähergekommen sind. Vielen Dank für Ihre Geduld und bleiben Sie gesund!

Mit herzlichen Grüßen

Ihr Stefan Krawielicki

Botschafter"
 


Polizei-Überwachung

Ich hatte ja Glück, dass ich kurz vor dem Lockdown nach Neuseeland zurückgekommen bin, denn später hätte ich nicht nach Christchurch weiterfliegen dürfen und hätte meine dann "gemanagte" zweiwöchige Selbstisolation in einem Hotelzimmer in Auckland verbringen müssen.

Bei meiner Auskunft am Flughafen in Auckland musste ich meine Selbstisolationsadresse angeben - natürlich mein Zuhause in Lyttelton. Ich fragte ausdrücklich, ob ich den Berg hinterm Haus hochlaufen dürfe, wenn ich den Zwei-Meter-Sicherheitsabstand zu anderen Personen einhielte, und bekam ebenso ausdrücklich das OK dafür. Das wurde auch von der Premierministerin immer wieder betont.

Die Polizei, die das Ganze überprüfen soll/muss/kann, hat jedoch ganz offenbar eine andere Auffassung - zumindest ihr bis gestern höchster Beamter, Mike Bush. Der interpretierte bei öffentlichen Auftritten Selbstisolation als Hausarrest in den eigenen vier Wänden und hätte am liebsten angeordnet, Leute festnehmen, die über den eigenen Gartenzaun hinausatmen. Der Slogan: "Stay home!", im engsten Sinne, während die Regierung weiterhin betont, Spazierengehen, Radfahren und Joggen seien erlaubt und sogar begrüßenswert, wenn man es von zu Hause aus machen kann.

Über allen Heimatrückkehrern schwebt das Damoklesschwert der Polizeikontrolle. Spätestens nach drei Tagen sei eine Kontrolle fällig, heißt es. Nun gut, bei mir gab es heute, nach zehn Tagen, die erste Kontrolle per SMS. 

Ganz listig schickt die Polizei eine SMS mit einem Link, auf dem man seinen Aufenthaltsort angeben soll. Aber in Wahrheit rattert ein Programm im Hintergrund, das die Koordinaten ganz genau feststellt - und niemand weiß wirklich, ob diese Daten nur einmal geladen und dann gelöscht werden, oder ob man ab sofort wie ein Haftentlassener auf Bewährung oder Freigänger konstant überwacht wird. Am Ende werde man gefragt, ob man dieser Überwachung zustimme, versicherte Mike Bush. Aber ersichtlich wurde dies beim Anklicken des Links nicht.

Vielmehr war, während das Programm ratterte, zu lesen, man könne alternativ auch auf die SMS antworten und ein Foto schicken. Ich stoppte das Programm sofort und entschied mich dafür. Warum stand diese Information nicht direkt in der SMS? Statt dessen versucht die Polizei, einen auszutricksen. 

Ich schrieb also zurück: "Ich bin zu Hause, unter xxx xxxx Adresse, wie verlangt." Und ich schickte ein Foto meines Reisebären Kimi, der den Blick über die Bucht von Lyttelton genoss.

Gesundheitsminister schießt den Vogel ab
Den Vogel schoss jedoch der Gesundheitsminister David Clark ab. Er fuhr mit seinem Minister-Werbewagen zu einem Waldparkplatz und machte eine Mountainbike-Tour auf einem hügeligen Kurs. Das ist während des Lockdowns ausdrücklich verboten, wie die Premierministerin - quasi Clarks Chefin - täglich in ihren Pressekonferenzen herunterbetet.

Erst mal die Anfahrt, dann die verletzungsträchtige Sportart. Die Neuseeländer sind ausdrücklich aufgefordert, alle Aktivitäten zu unterlassen, inklusive Angeln!!, die Rettungs- und Einsatzkräfte sowie Ärzte und Pfleger in Praxen und Krankenhäusern vom Kampf gegen Covid 19 abhalten und darüber hinaus - durch den Kontakt - deren Gesundheit gefährden könnte.

Seinen Rücktritt habe Clark nicht angeboten, heißt es, aber er habe um Entschuldigung gebeten. So viel Blödheit ist aber nicht zu entschuldigen, und schon gar nicht bei einem Minister. Obwohl... Clark ist kein Einzelfall. Und was ihm die Premierministerin zutraut, zeigt ja schon allein die Tatsache, dass ausgerechnet der Gesundheitsminister während der Pandemie quasi Redeverbot hat und bei den täglichen Pressekonferenzen durch den deutlich kompetenteren CEO des Gesundheitsministeriums, Ashley Bloomfield, ersetzt wird. 

Obwohl, doch, er hat einmal etwas gesagt: dass Neuseeland keine besonderen Maßnahmen wegen des Corona-Virus ergreifen müsse. Das war vor einem Monat, als Neuseeland noch keinen oder einen oder zwei Fälle hatte. Einen Tag später revidierte er sich, und seither wurde er, soweit ich mich erinnern kann, nicht mehr gesehen.

Update Mitte April:
Clarks zweiter Streich
In der Zwischenzeit hat David Clark zugegeben, dass er ein zweites Mal gravierend die Lockdown-Regeln gebrochen hat, als er seine Familie 20 Kilometer zu einem Strand karrte, um dort spazierenzugehen. Als dieser Verstoß öffentlich wurde, war er für die Medien tagelang nicht erreichbar, dann entschuldigte er sich öffentlich, nannte sich selbst einen Idioten (er weiß, wovon der spricht...) und bot seinen Rücktritt an. Premierministerin Jacinda Ardern nahm das Gesuch nur deshalb nicht an, weil es während des Lockdowns zu schwierig gewesen wäre, einen neuen Minister einzuarbeiten. 







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